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Besprechung
11.2013


Katharina Holderegger Rossier :  Das eben noch serbelnde Centre d’Art Contemporain profiliert sich unter der Leitung von Andrea Bellini als Ort, an dem es Kunst vom Feinsten zu sehen gibt. Unmittelbar auf Gianni Piacentino folgt mit Pablo Bronstein eine weitere eigenwillige Position, erneut inszeniert mit Grandezza.


Genf : Pablo Bronstein - Performative Architekturphantasien


  
links: Pablo Bronstein · A is Building B is Architecture, Centre d'Art Contemporain, Ausstellungsansicht (3. Stock des CAC: Zeichnungsretrospektive). Foto: Annik Wetter
rechts: Pablo Bronstein · Passeggiata, 2008, Video auf DVD, ca 20', Unikat, Rennie Collection, Vancouver, ­Courtesy Galleria Franco Noero, Torino. Foto: Annik Wetter


Betritt man gegenwärtig den dritten Stock des CAC, beschleicht einen zuerst das Gefühl, sich in das falsche Museum begeben zu haben. Vor dunkeln Wänden gleisst warmes Licht auf mit opulenten Rahmen gefasste Zeichnungen in akademischer Virtuosität, die Paläste, Denkmäler und Objekte in Stilen von der Renaissance bis zur Neugotik zeigen, oft stellenweise getüncht in historische Farben, Mitis-Grün, Siena und wie sie alle heissen. Bellini breitet die imponierende, aus internationalen Sammlungen zusammengetragene Retrospektive der Zeichnungen Bronsteins (*1977, Buenos Aires; lebt in London) innerhalb einer Choreographie aus, die mehr an Observanzen etwa in einem Louvre erinnert. Damit nimmt er das Verwirrspiel auch räumlich auf, das den zentralen Arbeiten des Künstlers bereits inhärent ist.
Erst auf den zweiten Blick enthüllen sich die Blätter als schräge Abwandlungen elitärer Insignien vergangener Jahrhunderte, manchmal aufgemischt mit modernen Elementen. Hier fügt also einer der langen Tradition von Architekturfantasien ein weiteres Moment hinzu - jedoch nicht ein erneut normatives (Palladio, Ledoux) oder surrealistisches (Piranesi, Berman), sondern kritisches. Bronstein bietet Konfrontation mit einer Vergangenheit, die stärker herumspukt, als wir es oft wahrhaben wollen. Gleichzeitig stellt er die Frage, wie es mit den Räumen um uns herum weitergehen soll, die uns als gebieterische und verführerische Manifestationen rivalisierender Patrone, Architekten und Designer genauso besetzen wie wir sie. So erscheinen Normalsterbliche auf den Zeichnungen als undifferenzierte Randfigürchen.
Dieser performative Aspekt des Gestaltens beschäftigt Bronstein auch in den weiteren Medien, die er seit 2007 bedient, und die von Bellini kaum weniger effizient vermittelt werden. Den ganzen zweiten Stock des CAC besetzt die für die Schau geschaffene Installation ‹A is Building B is Architecture›, in der Bronstein die schon die Humanisten bewegende Frage nach dem Ursprung der Baukunst mehr philosophisch als historisch beantwortet, indem er einen monumentalen Komplex achsensymmetrisch wiederholt: Architektur beginnt mit der Appropriation. Im Kino Dynamo im vierten Stock reflektiert das Video ‹Passeggiata› eine der ersten Performances des Künstlers. Vor der Kulisse eines mit modernen Flaggen geschmückten Renaissancepalasts hört man ihn davor positionierten Tänzern exaltierte Bewegungen abverlangen - mal in autoritärem, mal laszivem Ton.

Bis: 24.11.2013


Katalog (nur e und ohne Bio-Bibliographie)



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Ausgabe 11  2013
Ausstellungen Pablo Bronstein [13.09.13-24.11.13]
Institutionen Centre d'Art Contemporain [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Pablo Bronstein
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