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Besprechung
11.2013


Britta Peters :  Während man in der Theorie auf dem besten Weg war, sich vom Glauben an das Dokumentarische zu verabschieden, stellt die Menge an verschiedenen fotografischen Bildern zur ägyptischen Revolution eindrucksvoll gerade dieses Potential unter Beweis: Fotografie als Mittel zur Aufklärung und Mobilisierung.


Hamburg : Kairo - Bilder einer andauernden Revolution


  
links: Zuschauer bei Facebook-Projektionen auf dem Tahir-Platz, Kairo 6.2.2011. Foto: Kim Badawi (Reportage-by-Getty)
rechts: Nadine Khan · Mariam Mekiwi – I will speak of the revolution, 2011, Videostill


Gebannt verfolgt eine Gruppe junger Ägypter auf dem nächtlichen Tahir-Platz eine filmische Projektion. Im bläulichen Licht des Beamers zeichnet sich auf ihren Gesichtern eine Mischung aus höchster Anspannung und Fassungslosigkeit ab. Was sie sehen, sehen wir nicht. Quasi spiegelbildlich bezeugt Kim Badawis Fotografie stattdessen den tiefen Eindruck, den die Informationen hinterlassen.
Nach Essen und Braunschweig ist das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) die dritte Station der Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit Kairoer Kunstschaffenden und Journalist/innen entstand und behutsam fortgeschrieben wird. Begreift man das MKG als Haus der (technischen) Alltagskultur, gehört sie tatsächlich genau da hin, denn ausgehend von den revolutionären Ereignissen fragt sie explizit nach der Rolle und den Verteilungswegen der fotografischen Bilder. Der Wuseligkeit der ägyptischen Hauptstadt und der Vielstimmigkeit des Protests angemessen, tönt es dabei laut aus verschachtelten Displays. Dennoch ist die Präsentation informativ und klar gegliedert. Ikonische Fotografien auswärtiger Presseagenturen finden sich hier politisch Stellung beziehenden Aufnahmen lokaler Bildjournalisten der Tageszeitung ‹El Shorouk› gegenübergestellt; andere Bilder und Nachrichten betonen die Wichtigkeit der so genannten Bürgerreporter und stammen aus den sozialen Netzen von Twitter, Flickr und YouTube. Zur Arbeit der medienaktivistischen Plattformen Mosireen und ThawraMedia gehört u. a. das Vermitteln der Produktion von Video-Augenzeugen-Berichten, auch davon erfährt man. Der Bereich «Ongoing» analysiert, welcher Bildertyp es auf die Titelblätter der internationalen Presse schafft.
Das kurze Video «I will speak of the revolution», 2011, von Nadine Khan und Mariam Mekiwi ist Teil der Kunst-Sektion. Während die Kamera stur auf den Boden gerichtet ist und immer schneller werdenden Schritten folgt, erklärt eine Ich-Erzählerin aus dem Off, warum es ihr so schwer fällt, während der Revolution oder gar über die Revolution Kunst zu machen: «Yet the power of Tahir is that it cannot be onwned or framed», stellt sie fest, kurz bevor immer mehr Beinpaare hinzukommen und sie gemeinsam vermutlich den Tahir-Platz erreichen. Wie zur Bestätigung bleiben dann auch die anderen künstlerischen Arbeiten etwas blass. Aber das macht nichts. Wirklich schade ist nur, dass Hamburg die letzte Etappe der Ausstellung sein wird. Sie wäre es wert, weitergereicht zu werden. Nach Istanbul, zum Beispiel.

Bis: 17.11.2013



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Ausgabe 11  2013
Ausstellungen Kairo. Neue Bilder einer andauernden Revolution [16.08.13-17.11.13]
Institutionen Museum für Kunst und Gewerbe [Hamburg/Deutschland]
Autor/in Britta Peters
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