Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
11.2013


Heidi Brunnschweiler :  Die Kunsthalle Zürich zeigt in zwei Teilen eine unaufgeregte Ausstellung des amerikanischen Künstlers Wade Guyton, und es lohnt sich, die Feinheiten dieser Schau zu entdecken. Im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit wird hier konzeptuelle Malerei mit technischen Mitteln materiell erprobt.


Zürich : Wade Guyton - Farbfeldmalerei aus dem Printer


  
Wade Guyton · ‹Zeichnungen› und ‹Lange Bilder›, 2013, Ausstellungsansicht, Kunsthalle Zürich


In den ersten drei Räumen reihen sich lange, schmale Vitrinen. Auf senfgelben Unterlagen werden darin mehrfach bedruckte Blätter präsentiert. Der Künstler spricht von «Drawings» im Sinn von singulären Arbeiten auf Papier. Es handelt sich meist um herausgerissene Buchseiten von Kunst- oder Auktionskatalogen, auf die er Scans von reproduzierten Bildern, Screenshots oder einfache geometrische Formen drucken lässt, was die Kompositionen wesentlich bestimmt. Der Tintenstrahldrucker, der den Farbauftrag nach eigenen Gesetzen, oft fehlerhaft und zufällig, steuert, ersetzt die formende Hand des Künstlers. Guyton hegt tiefe Skepsis gegenüber einer Kunst, die sich als handwerkliches Können oder subjektiver Ausdruck definiert, und überlässt deshalb den Maschinen einen wesentlichen Teil seiner Werke.
Man findet in den Vitrinen einen unsystematischen Gang durch die Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Abstraktion. Das Bauhaus ist auf mehreren Blättern präsent. Eine mit roten Balken überdruckte Abbildung von J. Pollocks ‹Bild Nr. 29› wirkt wie ein Experiment mit verschiedenen Typologien abstrakter Malerei. In einer andern Vitrine liegt eine Scharzweiss-Reproduktion von E. Manets berühmtem Balkonbild. Es ist mit einem schwarzen Rechteck überdruckt, als gelte es, den Urvater der Moderne durchzustreichen. Die Überlagerungen erzeugen feinste Schwarzabstufungen, sodass Manet sozusagen zum Begründer der monochromen Malerei mutiert.
Guyton beschäftigt sich vor allem in seinen Leinenbildern mit technisch erzeugter Farbfeld-Malerei. Im Obergeschoss hängen fünf monumentale schlanke Querformate. Sie sind der Breite der Stellwände angepasst und die ursprünglich vertikalen Bilder sind in die Horizontale gedreht und wirken wie Arme eines fixierten Drehkreuzes, das man endlos umwandern kann. Die zusammengefalteten Leinwände hat der Künstler durch den Printer gelassen und das Ende jeder Seite mit einem schwarzen Rechteck bedruckt. Sie haben unterschiedliche Binnenstrukturen, weil der Drucker verschieden auf die für ihn zu dicken Leinwandbündel reagiert. Was zunächst wie eine neo-formalistische Variation von Ad Reinhardts ‹black paintings› erscheint, ist die drucktechnische Annäherung an die immaterielle Konstellation der Pixel. Guyton erkundet hier die Nullstufe des Bildes, indem er die undifferenzierte Farbe eines schwarzen TIFFs appliziert. Computer und Drucker untersuchen so das absolute Bild in der Dopplung von Idee und unvollständiger Materialisierung.

Bis: 10.11.2013



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2013
Ausstellungen Ed Atkins, Wade Guyton [31.08.13-10.11.13]
Institutionen Kunsthalle Zürich [Zürich/Schweiz]
Autor/in Heidi Brunnschweiler
Künstler/in Wade Guyton
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=131023101808AGG-20
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.