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11.2013




Aarau : Dieter Meier


von: Kristin Schmidt

  
links: Dieter Meier · This Man Will Not Shoot, 1971 Performance, 23.2.1971, The New Cultural Center, New York
rechts: Yello · Tied up, 1988, Video, 3'30', zum Yello-Album ‹Flag›


Wie etwas ausstellen, das nicht mehr existiert? Wie Dokumentation und Werk unterscheiden und zu einem stimmigen Ganzen fügen? Das Aargauer Kunsthaus präsentiert das künstlerische Werk des Schweizer Multitalents Dieter Meier. Fotografie, Skulptur, Performance, Film, Objekt, Text, Zeichnung - Meier arbeitet in allen Medien. Aber insbesondere von seinen frühen Aktionen ab den späten Sechzigerjahren existiert nur wenig und oft nur sekundäres Material. Doch gerade diese Aktionen sind sowohl für Meiers eigene künstlerische Definition entscheidend wie auch für die damalige Auseinandersetzung mit Fragen der künstlerischen Produktion und deren gesellschaftskritischem Potenzial. (KB, 05/10)
Meier stiftete Verwirrung, einerseits, indem er Gewohntes, Alltägliches eigens thematisierte, oder, andererseits, in bekannten Situationen ungewöhnliche Vorgänge inszenierte: Mal tritt er an einer Vernissage mit Pistole auf und versichert per Schild, dass er nicht schiessen werde, mal zählt er fünf Tage lang vor dem Zürcher Kunsthaus Schrauben in Plastiksäcke à tausend Stück ab. Mal beschreitet er auf dem Bellevueplatz für eine Stunde lang immer dieselben zwanzig Meter, ein andermal teilt er Passanten ‹Gangbestätigungen› aus oder kauft ihnen ein «Ja» oder ein «Nein» ab.
Diese Arbeiten erschliessen sich in der Schau in aufwendig zusammengetragenem originalem Pressematerial, in Fernsehreportagen oder Teilnehmerzertifikaten. Die Schreibmaschinenseiten mit Konzeptbeschreibungen und die Schwarzweissfotografien hingegen wurden auf Posterformat vergrössert und auf die Wände tapeziert. Damit erhalten sie eine neue Unmittelbarkeit: Präsenz statt trockenem Rückblick.
Die Ausstellung ist chronologisch konzipiert und so zeigt sich, wie Meier immer weiter in den Kunstbetrieb hineinwächst, sich mehr und mehr in etablierten Gattungen, insbesondere der Fotografie, bewegt, aber dennoch immer einen unverstellten, autonomen Blick behält. Schliesslich dann das grosse Kapitel der Videoclips des Elektropopduos Yello ab 1981. Ihnen ist in Aarau ein Kinoauftritt gewidmet. Für viele der Musikvideos stellte Meier die bunten, mitunter bizarren Kulissen selbst her. Im Kontext seiner übrigen Arbeiten zeigt sich nun, wie kunstnah sie sind mit ihren malerischen, installativen und skulpturalen Einsprengseln. Das danach ausgestellte Spätwerk des Künstlers vermag nicht mehr an die Originalität des frühen anzuknüpfen, trotzdem ergibt sich eine runde, schlüssig inszenierte Schau.

Bis: 17.11.2013


Gespräch mit Max Dax, S. Zweifel, D. Imhof, 29.10., 18.30 Uhr; Konzert im KiFF Aarau, 31.10., 20.30 Uhr; Dieter Meier im Gespräch mit dem Publikum, 14.11., 19.45 Uhr; Katalog Verlag für Moderne Kunst



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Ausgabe 11  2013
Ausstellungen Dieter Meier [07.09.13-17.11.13]
Video Video
Institutionen Aargauer Kunsthaus [Aarau/Schweiz]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in Dieter Meier
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