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11.2013




Giswil : Kurt Sigrist


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Kurt Sigrist · Zeitraum Hirsch, 1976, Fichten- Irokoholz, Ochsenblut, Russ, 295x125x128 cm
rechts: Kurt Sigrist · Raumobjekt, 1994/95, Birkensperrholz, Glas, 197x870x200 cm, Seedamm Kulturzentrum, Pfäffikon. Foto: Friedrich Zubler


Die Turbinenhalle in Giswil ist ein Ereignis. Die ehemalige Industrieanlage gleicht einem prächtigen Kirchenraum - hoch, langgezogen, jedoch wegen ihres ausgeprägten Eigenlebens schwer zu bespielen. Sie ist keine feste Kunst-Institution mit Kuratoren und Infrastruktur. In den Sommermonaten stellt dort die More Gallery einem ausgewählten internationalen Publikum ihre Künstler - wie Stella, Chamberlain, Weiwei oder Kaws - vor. Sonst steht der Raum für freie Projekte zur Verfügung. Diesen Herbst betreut Beat Stutzer, ehemals Direktor des Bündner Kunstmuseums in Chur, eine Ausstellung der Werke des Obwaldner Plastikers Kurt Sigrist (*1943). Die Ausstellung ist ein Rückblick auf über vierzig Jahre intensiver künstlerischer Arbeit. Gleichzeitig erscheint eine Publikation bei Scheidegger und Spiess.
Sigrist geht in dieser Präsentation weit zurück und zeigt etwa die zwei Meter hohe ‹Melchtaler Venus› von 1968 mit ihren vitalen, organisch ausgreifenden Eichenholz-Formen oder den ‹Zeitraum Hirsch› von 1976, einen hohen Sockel als betretbaren Innenraum, den eine Hirschgeweih-Form bekrönt. Er gibt Einblick in seine frühe Beschäftigung mit archaischen, mehrdeutigen Zeichen wie Schlitten, Wagen, Behausung. Seit den Achtzigerjahren gestaltet er Raumvisionen mit komplexem gegenseitigem Durchdringen. Viele dieser grossen Arbeiten aus Stahl oder aus Holzplatten sind begehbar und vermitteln ein oft bedrängendes, oft befreiendes Körpergefühl, das auch differenzierte akustische Wahrnehmungen einschliesst.
Auch grosse Objekte fanden den Weg nach Giswil, so, als zentrales Werk Sigrists, der 1980 entstandene «Zeitraum» von der Autobahn-Raststätte Erstfeld: Zwei begehbare hausförmige Räume auf Rädern, die sich kreuzen, was sich - als absurdes Objekt - als fundamentale Kritik an modernem Mobilitätswahn lesen lässt, aber auch ganz andere Assoziationen zulässt und beispielsweise ganz direkt Bezug nimmt auf ländliche Spotanarchitektur der Innerschweiz. Vieles von Sigrist lässt sich allerdings nicht transportieren. Gemeint sind die vielen Chorraum- und Altargestaltungen im In- und Ausland sowie andere Werke im öffentlichen Raum. Sie reagieren sensibel auf vorgegebene Situationen, so der aus Stahlelementen gebaute Aufgang zum mittelalterlichen Hexenturm in Sarnen. Hier vermag ein Architektur-Element ein skulpturales Eigenleben zu entwickeln, das den ganzen Umraum mit der Raumerfahrung der Benutzenden verbindet.

Bis: 24.11.2013


Fr 18-21 Uhr, Sa/So, 11-17 Uhr; Podiumsdiskussion, 8.11., 19 Uhr



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Ausgabe 11  2013
Ausstellungen Kurt Sigrist [19.10.13-24.11.13]
Video Video
Institutionen Turbine [Giswil/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Kurt Sigrist
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