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Hinweis
11.2013




Ligornetto : c/o:K


von: Ruth Händler

  
Ulrich Fohler, Holger Jagersberger · Le vittime del lavoro, 2013, Installationsansicht, verschiedene Materialien


Museen oder Stiftungen, die ganz und gar einem Künstler verschrieben sind, können mit der Zeit ziemlich eintönig werden. Dass es anders geht, zeigt das Tessiner Museo Vela in Ligornetto. Den Palazzo oberhalb des Dorfes bei Mendrisio, einst Wohnhaus und Atelier, hat Vincenzo Vela (1820-1891), der grosse Bildhauer des Risorgimento, der Eidgenossenschaft vermacht. Hier sind fast sämtliche Gips-Modelle der Statuen und Porträts zu sehen, die Vela von Freiheitskämpfern und Patrioten, von Königen, Adligen, Philosophen und Dichtern fertigte. Lebendig und interessant bleibt die imposante Skulpturensammlung dank der Wechselausstellungen. Zwei Mal jährlich konfrontiert Museumsdirektorin Gianna A. Mina die veristischen Figuren Velas mit Werken seiner Zeitgenossen oder mit Arbeiten von heute lebenden Künstler/innen - aus dem Tessin und darüber hinaus. So signalisiert nun am Eingang die lebensgrosse Plastik eines Schäferhunds aus chinesischer Massenproduktion, dass wieder die Gegenwartskunst das Haus erobert hat.
Unter dem sperrigen Namen ‹c/o:K› firmiert eine Gruppierung österreichischer Künstler/innen, die sich in wechselnden Besetzungen zu Gemeinschaftsprojekten zusammenfindet. Zwölf der Künstler aus der Region Linz waren eingeladen, mit Velas Werk und dem Haus in Dialog zu treten: eine Annäherung, die auch deshalb intensiv ausfiel, weil die Künstler/innen zur Vorbereitung lange vor Ort weilten und im ehemaligen Pförtnerhaus des Anwesens wohnen konnten. In der Ausstellung zum Thema ‹Körper und Macht› trifft man von der Zeichnung über Malerei, Kleinplastik und Skulptur, Body Art und Fotografie bis zur raumgreifenden Assemblage, die Velas spätem Meisterwerk, dem Relief für ‹Die Opfer der Arbeit› am Gotthard-Tunnel gewidmet ist, auf viele Facetten von Verkörperlichungen. Die Gestensprache der Hand begegnet der Faszination über die Haarpracht, so wie sie an den Frauen-Büsten Velas zu bewundern ist, dem Schutzbedürfnis des Körpers, der martialischen Bodybuilder-Szene und jenen angsteinflössenden Stellvertretern der Macht, für die eben die immer gleichen Schäferhunde mit ihren individualisierten Pupillen stehen - ein Déjà-vu im ganzen Haus und im Park.
Peter Assmann, einer der Gründer der Gruppe, ist als ehemaliger Direktor der Oberösterreichischen Landesmuseen auch ein Kollege der Tessiner Musemsdirektorin Gianna A. Mina. Wie er sind die meisten anderen Teilnehmer der Schau dem Kunstbetrieb auch als Kuratoren, Restauratorinnen, Museumspädagogen verbunden. Der Ausstellung kommt dies sehr zugute. Den ganz unterschiedlichen Arbeiten spürt man eine seltene Souveränität an. Ihre Autor/innen nahmen sich die Freiheit, jenseits des eigenen künstlerischen Egos und des selbstbezogenen Brandings den Dialog mit dem Werk eines historischen Schwergewichts und mit der Institution Museum zu wagen.

Bis: 17.11.2013



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Ausgabe 11  2013
Autor/in Ruth Händler
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