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Besprechung
12.2013


Kristin Schmidt :  Werke von Barbara Kruger waren bereits zweimal im Kunsthaus Bregenz zu sehen, aber nie in einer Einzelausstellung. Nun ist es so weit und die Solo-Schau - ihre erste in Österreich - vereint Bekanntes und weniger Bekanntes, wie etwa eine Videoinstal-lation, in einem stimmigen Gesamtbild.


Bregenz : Barbara Kruger - Botschaften in radikaler Klarheit


  
links: Barbara Kruger · Untitled (Reminder), 2013, UV-Druck auf PVC-Gewebe, Wände , 78x5 m, Ausstellungsansicht 3. OG, Kunsthaus Bregenz. Foto: Markus Tretter
rechts: Barbara Kruger · Untitled (Suggestions), 2013, UV-Druck auf Vinyl, Boden, 21x23 m, Ausstellungs­ansicht 1. OG, Kunsthaus Bregenz. Foto: Christian Hinz


Was für ein Auftritt! Barbara Krugers (*1945) Arbeiten und Peter Zumthors Architektur finden im Kunsthaus Bregenz zu einer perfekten Symbiose. Kruger hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder raumgreifende ortsspezifische Wort- und Schriftinstallationen realisiert, aber mit der aktuellen Einzelausstellung steigern sich Raum und Schrift gegenseitig in ihrer Wirkung wie nie zuvor.
Kruger verwendet in ihren Wortarbeiten ausschliesslich die 1927 von Paul Renner entwickelte Futura - eine Schrift, die in ihrer Prägnanz eine der populärsten Schriften des 20. Jahrhunderts wurde. Im Kunsthaus Bregenz setzt sie diese in ihren grossflächigen, prägnanten Typographien auf Wand, Boden und Fassade ein. Mit jedem für das Kunsthaus entwickelten Werk betont sie ein anderes architektonisches Element des Zumthor-Baus. Im ersten Stock bringt ein den Boden bedeckendes Schriftbild die kahlen Betonwände und die Atmosphäre des Raumes zur Geltung, sein Licht, seine hermetische Grosszügigkeit. Das gelingt auch durch den Kontrast zur Videoinstallation im abgedunkelten Stockwerk darüber. In der obersten Etage bilden das Oberlicht und der hellgraue, geschliffene Terrazzoboden die Klammer für ein präzis über alle Wandflächen gesetztes Statement: «Der Sinn des Lebens besteht darin, dass es endet.» An der Fassade prangt eine 400 qm grosse, bedruckte Plane: Sie verhüllt die transparente Fensterfront, weist zugleich auf das Innere des Hauses hin.
Kruger hatte anlässlich einer Ausstellung in der Frankfurter Schirn die Architektur als ihre erste Liebe bezeichnet. In Bregenz zeigt sich, dass diese Leidenschaft ungebrochen ist und von einem profunden Verständnis für den Raum und seine Besonderheiten getragen wird. Entstanden ist eine formal höchst ästhetische Ausstellung.
Und inhaltlich? Krugers gestalterisches Vokabular ist schon seit den frühen Achtzigerjahren ihr Markenzeichen, aber auch ihre Themen sind konstant dieselben, und es ist abzusehen, dass sie sobald nicht obsolet werden: Mit ihrer Kunst führt die amerikanische Künstlerin feministische, politische oder klassentheoretische Debatten weiter, setzt sich kritisch mit Konsumkultur auseinander und für Menschenrechte ein. Mittlerweile sind ihre Werke so dimensioniert, dass kein Entkommen möglich ist. Zudem tragen die Aussagen, Vorschläge und Gedanken allein schon ob ihrer Grös-
se stets ein Ausrufezeichen: «Gewalt lässt uns vergessen, wer wir sind» - und alle sind gemeint.

Bis: 12.01.2014



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Ausgabe 12  2013
Ausstellungen Dora García, Barbara Kruger [19.10.13-12.01.14]
Institutionen Kunsthaus Bregenz [Bregenz/Österreich]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in Barbara Kruger
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