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Hinweis
12.2013




Chiasso/Lugano : Serge Brignoni


von: Ruth Händler

  
links: Serge Brignoni im Atelier in Bern, 1975
rechts: Serge Brignoni · Senza titolo, 1951, acquaforte e puntasecca, 34,7x27,3 cm, courtesy Fondazione Serge Brignoni & Graciela Aranis-Brignoni


Ein kreatives Schaffen, das den Bogen über mehr als achtzig Jahre spannt, ist nur wenigen Künstlern vergönnt. Schon allein das macht die Schau zum Werk des Schweizer Surrealisten Serge Brignoni (1903-2002) zu einem besonderen Erlebnis. Zu seinem 110. Geburtstag würdigen zwei Südtessiner Museen den Künstler, der sich auch als Sammler hervortat: In Chiasso, nahe Brignonis Geburtsort Vacallo, zeigt das m.a.x. Museum rund hundert seiner Werke, neben vielen Gemälden auch Eisenplastiken, Zeichnungen und Druckgrafik. Ergänzt wird die Schau mit aussereuropäischen Skulpturen und Kultobjekten, unter anderem aus Südostasien, Indonesien und Ozeanien, die Brignoni seit seiner Studienzeit im Paris der Zwanzigerjahre sammelte. Seine umfangreiche Kollektion «Primitiver Kunst» hat Brignoni 1985 der Stadt Lugano vermacht. Sie ist jetzt beheimatet in Luganos Museum für aussereuropäische Kunst Villa Heleneum, wo der zweite Teil der Brignoni-Schau zu sehen ist, hier erweitert mit 15 Gemälden aus der Sammlung von Brignonis Witwe Marlyse Haller Brignoni.
Der gebürtige Tessiner Brignoni zog schon als Kleinkind mit seiner Familie nach Bern. Nach Studien in der dortigen Malschule von Victor Surbek und im Berliner Atelier des deutschen Druckgrafikers und Illustrators Hans Meid wechselte er 1923 in die damalige Welthauptstadt der Kunst, nach Paris. Dort entstanden Werke im Umfeld der damaligen Avantgarde: Mit Alberto Giacometti teilte er die Wohnung, mit Joan Mirò stellte er 1926 gemeinsam aus. Eine kleine Skizze in der Chiasso-Schau ist von Brignoni und Picasso signiert.
Die Fülle der hier zusammengetragenen Werke findet ihre Entsprechung in der Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks. Zwischen Expressionismus, Kubismus und Surrealismus beschritt Brignoni in dieser Zeit viele Wege. Und auch nach der durch den Kriegsausbruch erzwungenen Rückkehr in die Schweiz blieb Brignoni experimentierfreudig. Metall-Reliefs künden von einer unbändigen kreativen Kraft, die ihre Parallelen in den von ihm gesammelten Werken der Urvölker hat. Collagen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren dokumentieren, wie sich der Künstler, hier allerdings ohne grosse Verve und innere Überzeugung, mit der aufkommenden Pop Art auseinandergesetzt hat. Auf Dauer aber blieb Brignonis eigener Mainstream ein zur Abstraktion tendierender Surrealismus, der in manchem an die Farbenexplosionen des grossen Chilenen und Zeitgenossen Roberto Matta erinnert. Und der in seinen letzten Lebensjahren noch einmal, befreit von allen Zeitphänomenen, in glühender Leidenschaft aufscheint.

Bis: 19.01.2014



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Ausgabe 12  2013
Ausstellungen Serge Brignoni [28.09.13-19.01.14]
Ausstellungen Serge Brignoni artista e collezionista [27.09.13-19.01.14]
Institutionen Museo delle Culture [Lugano/Schweiz]
Institutionen m.a.x.museo [Chiasso/Schweiz]
Autor/in Ruth Händler
Künstler/in Serge Brignoni
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