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Besprechung
1/2.2014


Niklaus Oberholzer :  Immer wieder lässt das Kunsthaus Zug Künstler/innen für die eigene Sammlung, aber auch mit ihr arbeiten. Bisher waren es u.a. Pavel Pepperstein, Tadashi Kawamata, Christoph Rütimann oder Tim Velten. Nun spannt Bethan Huws einen Bogen zwischen der Wiener Avantgarde und ihrem eigenen Werk.


Zug : Bethan Huws - The Large Glass


  
links: Bethan Huws · Flaschenständer und Objekte der Wiener Moderne aus der Sammlung Kamm, 2013, Ausstellungsansicht (blaues Glas war Modell für The Large Glass) ©ProLitteris. Foto: Charles Duprat
rechts: Bethan Huws · The Large Glass, 2013, Ausstellungsansicht ©ProLitteris. Foto: Charles Duprat


Links hängt einer der Schriftkästen von Bethan Huws (*1961, Wales) mit in weissen Buchstaben gesetzten, meist hintersinnigen Wortspielen. Hier lesen wir in Schlangenlinie «Nu descendant une escalier». Rechts zeigt eine zart-sinnliche Zeichnung Gustav Klimts drei nackte Grazien. In einem anderen Raum steht - auf einem breiten Tisch und neben anderen Objekten der Wiener Werkstätten - eine kobaltblaue Vase Josef Hoffmanns. Im letzten Raum erinnern wir uns an ihre schön geschweifte Form: Da leuchtet gross und ebenfalls kobaltblau eine aus feinen Neonröhren gebildete Darstellung der gleichen Vasenform, ‹The Large Glass› von Bethan Huws. Die Werke der Waliserin und jene der Wiener Avantgarde eröffnen eine Zeitspanne von gut hundert Jahren. Der Blick übers Jahrhundert prägt die ganze Schau, zu der das Kunsthaus Bethan Huws einlud und ihr jede Freiheit im Umgang mit Malereien, Zeichnungen, Grafiken, Möbeln und kostbaren Gläsern der im eigenen Haus beheimateten Sammlung Kamm beliess. Das Ergebnis ist ein gelungener Brückenschlag zwischen historischen Werken und rund drei Jahrzehnten eigenen Schaffens.
Die Künstlerin geht mit der Sammlung mit Sinn für poetische Leichtigkeit um, mitunter auch mit schalkhaftem Humor. Das gilt von ihrem Wandtext ‹The Chocolate Bar›, in dem sie Doppeldeutigkeiten nur so durcheinanderwirbelt, aber auch dann, wenn sie mit frühen Malereien Gerstels oder Max Ernsts und mit eigenen farbigen Arbeiten auf Papier eine frühlingshafte Atmosphäre erzeugt. Sie verzichtet auf Vitrinen, unterstreicht so die prekäre Fragilität ihrer eigenen Arbeiten - oft geheimnisvolle Objets trouvés oder eines ihrer kleinen ‹Boats› aus Riedgras - und ermöglicht auch einen unmittelbaren und sinnlichen Kontakt zu den Objekten der Wiener Werkstätten.
Huws bleibt nicht bei diesen erwähnten Duchamp-Hinweisen, sondern zitiert zusätzlich, als wundersames und perfekt gestaltetes Glasobjekt mit eigens produzierten Flaschen, den Flaschenständer. So lenkt sie den Blick auch in die weiten Räume der Kunstgeschichte. Sie tut das mit differenzierter gedanklicher Hintergrundarbeit und mit Perfektion bis ins Detail. Beispiele dafür sind das erwähnte ‹Large Glass›, für das in aufwändiger Handarbeit feine geschweifte Neonöhrchen geformt werden mussten, aber auch der 340 cm lange Löffel aus Ahornholz, die absurd vergrösserte Nachbildung eines auf einem Pariser Trödlermarkt gefundenen Olivenschöpflöffelchens. Kurator der Ausstellung ist Marco Obrist.

Bis: 09.03.2014



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Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Bethan Huws [30.11.13-09.03.14]
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Institutionen Kunsthaus Zug [Zug/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Bethan Huws
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