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Besprechung
1/2.2014


Dominique von Burg :  Das Haus Konstruktiv widmet Adrián Villar Rojas, dem diesjährigen Zürich Art Prize-Gewinner, die erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz. Bekannt wurde der Argentinier mit seinen riesigen, meist ephemeren Skulpturen aus Holz, Zement und Lehm, die ihn als Sampler skurriler Welten entlarven.


Zürich : Adrián Villar Rojas - Films Before Revolution


  
Adrián Villar Rojas · Films Before Revolution, 2013, Ausstellungsansicht. Foto: Jörg Baumann


Adrián Villar Rojas (*1980, Rosario) besitzt kein Atelier, verfügt jedoch weltweit über mobile Werkstätten, die er überall dort einrichtet, wo er mit seinem Team seine jeweiligen Projekte für Ausstellungen prozesshaft erarbeitet. Vielfach entstehen vergängliche, oft aus ungebranntem Ton bestehende Skulpturen oder Installationen, die von zeitgenössischer Literatur, futuristischen Mangas und dem Universum des Rock-Musikers Kurt Cobain inspiriert sind. Dieser flüchtige Aspekt ist charakteristisch für sein Schaffen. So realisierte er 2009 anlässlich der X. Cuenca Biennal in Ecuador eine dreissig Meter lange Skulptur, die er innerhalb von drei Stunden von Wind und starkem Regen verwüsten liess. Den Zerstörungsprozess verglich er mit dem Begleiten eines Freundes in dessen letzten Lebensstunden. Um seine temporären Arbeiten am Leben zu erhalten, dokumentiert Villar Rojas den Werkprozess mit Fotografien und Zeichnungen. So leben sie weiter und dienen ihm wiederum als Ausgangspunkt für künftige Projekte, die Teil eines künstlerischen Kreislaufs sind.
Mit «Films Before Revolution» fokussiert die von Sabine Schaschl konzipierte Ausstellung erstmals dieses zyklische Werkgefüge von Villar Rojas. Sie gewichtet neben den Zeichnungen und Aquarellen seine gesamtheitliche Arbeitsweise, indem sie die Rolle seines Teams sowie der Ausstellungsinstitutionen als essenzielle Partner bei der Realisierung seiner Arbeiten offenlegt.
In den Räumen des Haus Konstruktiv hat Villar Rojas ein Setting mit Filmprojektoren, gebrauchten Möbeln und einem alten Konzertflügel inszeniert, das mit farbigen Glasfenstern atmosphärisch aufgeladen ist. Die Installation mit dem Konzertflügel - dessen Deckel kleiner als das Gehäuse ist - ist sehr poetisch und spricht von vergangenen Zeiten. Desgleichen verfügen die mit Aquarellen bestückten Readymades über eine eigene Sprache und Geschichte. Die Filmprojektoren spielen auf die Arbeitsweise von Villar Rojas an, die er mit der Tätigkeit eines Regisseurs vergleicht, während seine Assistenten seine Filmcrew bilden. Die jeweilige Ausstellungsproduktion übersetzt er in zeichnerische und gemalte Parallelwelten, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Realität und Fiktion verschränken oder aufeinanderprallen. Die metaphysischen Ideen entspringen seinem Interesse an Verlust, Verfall, Tod sowie an der Evolutionsgeschichte. Seine künstlerische Evolution zelebriert Villar Rojas in einem kontinuierlichen, zirkulären Arbeitsprozess.

Bis: 02.02.2014


mit Katalog.



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Ausgabe 1/2  2014
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Adrian Villár Rojas
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