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1/2.2014




Bern : Alois Lichtsteiner


von: Hans Rudolf Reust

  
links: Alois Lichtsteiner · AL2013.089, Öl auf Leinwand, 70x50 cm
rechts: Alois Lichtsteiner · AL2013.097, Öl auf Leinwand, 100x149 cm


Wer die schwarz-weissen Malereien von Alois Lichtsteiner aus den vergangenen Jahren als Fels- und Schneeformationen im Hochgebirge wahrgenommen hat, sieht sich nun, da die fleckenhaft verstreuten Partien in gleissendem Weiss wieder in die Farbe wechseln, mit reiner Malerei konfrontiert. Es sind Ereignisse im Stillen, die ein feiner Pinsel ausführt, einem je eigenen Rhythmus folgend, den das Bild allmählich erst preisgibt. Kleinere Studien und Vorzeichnungen vermitteln nur eine ungefähre Disposition für ein Geschehen, das sich während des Malens unmittelbar entfaltet. Allein im Kontakt mit der Leinwand entscheiden sich schliesslich die Ausdehnung und der Binnenduktus der einzelnen Farbmonaden. Farbe ist wieder da in feinen Nuancen einer breiten Palette. Und doch erscheint sie eher wie eine Anspielung oder ein Echo bestimmter Töne, die in der Komposition über das ganze Bild hinweg untereinander kommunizieren. Daraus ergeben sich auch Farbverläufe, die sich über einzelne Zellen hinweg zuweilen auf die gesamte Bildfläche ausdehnen.
Ein wichtiges Moment beim Übergang von den älteren zu den gegenwärtigen Bildern waren grossformatige Holzschnitte, bei denen Alois Lichtsteiner die freigestellten Flächen in verschiedenem Kolorit gedruckt hat. Die Konstanz der Form erfuhr eine Variation durch die Einfärbung. Bei der Malerei werden nun Farbe und Form wieder in offenem Dialog miteinander entwickelt.
Und natürlich lässt sich auch in diesen farbigen
Kompositionen die Erinnerung an Landschaft nicht ausblenden. Vielmehr bleiben wir völlig frei, uns zwischen abstrakten und terrestrischen Phantasien treiben zu lassen. Schauen wir nun in eine bemalte Fläche oder öffnet sich uns ein Illusionsraum, dessen Wölbung in die Tiefe wir mit keiner Dimension ermessen können?
Entscheidend wird dabei die ausgedehnte, strahlend helle Fläche, in der die Farbpartien unterwegs sind, aus der sie hervortreten, in die sie versinken. Auch dieser Grundton der Bilder ist jedoch minutiöse Malerei, die stellenweise nuanciert oder selbst in Zonen aufgeteilt werden kann. Das Bildgeschehen lässt sich letztlich nicht mehr trennen in Figur und Grund. Wie das Malen die einzelnen Striche aneinander ausdifferenziert, sollte sich die Wahrnehmung auf eine ständige Entstehung des Bildes beim Sehen einlassen. Alois Lichtsteiner schärft Bilder instabiler Zustände.

Bis: 28.02.2014



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Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Alois Lichtsteiner [18.01.14-28.02.14]
Institutionen Galerie Kornfeld [Bern/Schweiz]
Autor/in Hans Rudolf Reust
Künstler/in Alois Lichtsteiner
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