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Hinweis
1/2.2014




Bielefeld/Wolfsburg : Kunst & Textil


von: Sabine Elsa Müller

  
links: Edgar Degas · Die Büglerin, um 1869, Öl auf Leinwand, 92,5x73,5 cm. Foto: bpk/Bayerische Staatsgemäldesammlungen
rechts: Robert Ryman · Unit, 1980, Öl und Rostschutzfarbe auf Leinwand, Metallbefestigung, 66x61 cm, Daros Col. ©ProLitteris


Ausstellungsprojekte zum Thema Kunst und Textil spriessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Soeben ist die Ausstellung ‹Textiles: Open Letter› in Mönchengladbach zu Ende gegangen. Die exzellente Auswahl an Arbeiten rund um das Textile von Johannes Itten und Eva Hesse bis Lenore Tawney oder Florian Pumhösl wurde mit koptischen Geweben aus der historischen Sammlung des Museum Abteiberg und Textilmusterbüchern aus der Sammlung Seth Siegelaub ergänzt. Das ehrgeizige Projekt, das seit 2012 von einer ganzen Reihe an Vorträgen und Symposien begleitet wird, soll 2014 mit einer weiteren Ausstellung in der Generali Foundation Wien seinen Abschluss finden. Wie für die alte Textilstadt Mönchengladbach hängt auch für Bielefeld das Thema eng mit der eigenen Geschichte zusammen. Hier gruppiert sich ‹To Open Eyes. Kunst und Textil vom Bauhaus bis heute› rund um die Bauhauskünstlerin Benita Koch-Otte, die zwanzig Jahre lang die Weberei in den von Bodelschwinghschen Stiftungen in Bielefeld leitete.
Ganz anders geht es im Kunstmuseum Wolfsburg zu. ‹Kunst & Textil› stellt die Darstellung von Stoffen, Faltenwürfen oder kostbaren Teppichen in Malerei und Bildhauerei der Textilkunst gegenüber. Trotz der überwältigenden Fülle von etwa zweihundert Werken sorgen Ausstellungsdidaktik und reizvolle «Verknüpfungen» immer wieder für Aha-Erlebnisse. So zum Beispiel wenn das feine Sandsteinrelief der Gewandfalten eines sitzenden Buddhas aus dem 3. Jahrhundert mit Pierre Soulages' reliefhafter ‹Peinture› von 1991 verglichen oder die textile Struktur der weissen Farbe in Robert Rymans ‹Unit›, 1980, der duftigen Wäsche auf Edgar Degas' ‹Die Büglerin›, 1869, gegenübergestellt wird. In elf Kapiteln geht die Wolfsburger Schau der Bedeutung des Textilen auf den Grund. Das reicht von den Beziehungen zwischen der abstrakten Kunst und der Webkunst bei Anni Albers zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Verhandlung von Genderfragen in Strick- und Stickbildern bei Rosemarie Trockel und Ghada Amer. Das Taktile und Handwerkliche als Gegenstück zum Digitalen bestimmt die riesigen Tapisserien von Pae White, während Mona Hatoum die Parallelen zwischen dem Weben und dem World Wide Web thematisiert. Es gibt ungeheuer viel zu entdecken, Abgründiges wie die Kriegsteppiche aus pakistanischen Flüchtlingslagern oder Überraschendes wie Dorothea Tannings weiche Stoffskulptur ‹Nue Couchée› von 1969. Mit dem Thema ‹Textil› wird noch einiges auf uns zukommen.

Bis: 22.06.2014


Kunstmuseum Wolfsburg, bis 2.3.; dann Staatsgalerie Stuttgart, 21.3.-22.6.



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Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Kunst & Textil [21.03.14-22.06.14]
Ausstellungen Kunst & Textil - Von Klimt bis heute [12.10.13-02.03.14]
Institutionen Staatsgalerie Stuttgart [Stuttgart/Deutschland]
Institutionen Kunstmuseum Wolfsburg [Wolfsburg/Deutschland]
Autor/in Sabine Elsa Müller
Link http://www.textilesopenletter.info
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