Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
1/2.2014




München : Afritecture


von: Roberta, De Righi

  
links: Schwimmende Schule in Makako, Lagos/­Nigeria, NLÉ, Courtesy Iwan Baansich dabei als zentrales Motiv.
rechts: Handwerksschule in Malaa bei Nairobi, Kenia, Fachgebiet Holzbau der TU München, Herrmann Kaufmann. Foto: Matthias Kestel


«Schuhe ausziehen!», heisst es für die Besucher dieser Schau. Dann erst darf man über den weichen Boden aus Wellpappe wandeln, der wie die Erde Afrikas alles miteinander verbindet und die Wahrnehmung tatsächlich dahingehend verändert, dass man den einzelnen Bauten so auch physisch näher kommt. 28 Projekte aus zehn Subsahara-Ländern stellt die Ausstellung ‹Afritecture - Bauen mit der Gemeinschaft› des Münchner TU-Architekturmuseums in der Pinakothek der Moderne vor - und fast alle begeistern in Konzept, Ästhetik und Ausführung.
Es handelt sich überwiegend um öffentliche Gebäude und soziale Einrichtungen: Kindergärten, Grundschulen, Frauenzentren, Krankenstationen, aber auch Markthallen, Bibliotheken, Museen. Vor Ort vorhandene Materialien wie Lehm, Holz und Stroh sowie traditionelles Handwerk in Verbindung mit aktueller Technologie ermöglichten kostengünstige, energieeffiziente Gebäude mit starker Nutzerorientierung.
Etwa das ‹Women's Opportunity Center› in Kayonza/Ruanda von Sharon Davis Design. Hier wurde schnell klar, dass der Zugang zu sauberem Trinkwasser essenziell war. Die Architektin und ihr Team entwickelten also zunächst Trinkwasserspeicher und Komposttoiletten. Ihre Anlage besteht aus einzelnen, durchlüfteten Ziegelrundbauten, deren blattförmige Dächer als Sonnenschutz dienen, zudem fangen sie das Regenwasser auf und leiten es sauber ab.
‹Ukuqala (heisst: Anfang) - Build Together, Learn Together› im Village of Hope/Südafrika wiederum entstand in Kooperation mit der Uni Stuttgart unter Arno Lederer. Bei der Einrichtung für AIDS-Waisen und HIV-infizierte Kinder fehlte es u.a. an Unterkünften für die Betreuenden. Die Student/innen aus Stuttgart planten drei kompakte Gebäude mit Pinienholz-Trägern und Wänden aus Stroh und Lehm und errichteten sie gemeinsam mit den Helfer/innen innerhalb von sechs Wochen. Ähnlich Luyanda Mpahlwas ‹Sandbag Houses› für das Township Mitchell's Plain bei Kapstadt: Mindestens vierzig Quadratmeter Wohnfläche durften nicht mehr als 7000 Dollar kosten. Mpahlwas erfand eine Holzrahmenkonstruktion mit Wänden aus Sandsäcken, mit Platten verkleidet, aussen in verschiedenen Farben bemalt. Weil die Häuser für die arme, überwiegend schwarze Bevölkerung von Mitchell's Plain dennoch zu teuer waren, wurden sie vorab verlost, die künftigen Bewohner/innen halfen dann selbst beim Bau. Der Architekt sieht sein Projekt darum ebenfalls als einen «ersten Schritt» bei der Schaffung von günstigem, aber unterschiedlichen Bedürfnissen angemessenem Wohnraum.
Schliesslich führen uns nicht zuletzt die fünf verschiedenen Kommentar-Aufforderungen vor Augen: Mehr noch als um Ästhetik geht es hier um Mitwirkung, um Bauen als demokratischen Prozess, an dem sich alle beteiligen.

Bis: 12.01.2014



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Afritecture - Bauen in Afrika [13.09.13-02.02.14]
Institutionen Pinakothek der Moderne [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=140108091837ACQ-27
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.