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1/2.2014




München : Lorna Simpson


von: Roberta, De Righi

  
links: Lorna Simpson · Waterbearer, 1986, Silber­gelatine-Abzug, Vinylbuchstaben, 149,9x 203,2x 5,7 cm, Courtesy Salon 94, New York, und Galerie Nathalie Obadia, Paris/Brüssel
rechts: Lorna Simpson · Chess, 2013, HD Video­installation mit drei Projektionen, s/w, Ton, 10'52' (Loop), Musik und Performance Jason Moran, Courtesy Salon 94, New York, und ­Galerie Nathalie Obadia, Paris/Brüssel


Die ‹Wasserträgerin›, eine schwarze Frau im weissen Unterkleid, giesst links Wasser aus einer Metallkanne, rechts aus einem Plastikkanister. Ist Lorna Simpsons (*1960) Rückenfigur eine Variation der Justitia? Der dazugehörige Text thematisiert kollektives Misstrauen an einer individuellen Erinnerung. Schon in ihrem frühen Werk von 1986 jongliert die New Yorker Künstlerin herausfordernd mit Geschlechts- und ethnischen Stereotypen.In ihren Fotografien, Filmprojektionen und Collagen balanciert Simpson, die 1990 als erste Afroamerikanerin an der Biennale teilnahm, mit den Gewichten von Identität und Rolle, Erinnerung, Fakt und Fiktion. Grundlegend ist dabei die Montage von Bild und Text und so hat ihre Kunst oft etwas herausfordernd Abwägendes, Wort steht gegen Bild oder: Aussage gegen Aussage.
Jetzt präsentiert das Haus der Kunst ihr Werk, in dem sie einen konzeptuellen Ansatz häufig mit performativen Elementen umsetzt, in einer ersten Retrospektive in Europa. Die sehenswerte, sehr konzentrierte Schau entstand in Kooperation mit der Foundation for the Exhibition of Photography in Minneapolis und dem Jeu de Paume in Paris. Sie umfasst auch Simpsons jüngste Arbeit, die Filminstallation ‹Chess›, 2013. Eine Frau und ein Mann - beide dargestellt von Simpson selbst - in fünffacher Spiegelung beim Schach, dem stilisierten Strategiespiel der Geschlechter.
1994 hatte der Besuch einer Beuys-Ausstellung Simpson auf die Idee gebracht, grossformatige Schwarz-Weiss-Fotografien als Siebdruck auf Filz zu drucken. Das Ergebnis ist beeindruckend, weil sich Untergrund und Oberfläche konterkarieren und so die Bilder der Realität entrückt werden. Die Künstlerin überschrieb den Bilder-Zyklus mit ‹Public Sex›. Fast unnötig zu erwähnen, dass Sex nicht zu sehen ist, aber in den Texten umkreist wird.
Geradezu magisch wirkt der Filz-Druck bei einem Intérieur mit leerer Mitte und nur einer Wolke, die Licht reflektiert. Das Szenario ist ein Film-Still der Videoprojektion ‹Cloudscape›, 2004: Darin sieht man im Endlos-Loop einen Mann, der langsam von Nebelschwaden verschluckt und wieder freigegeben wird. Auf der Tonspur hört man ihn ein Kirchenlied pfeifen. So entsteht eine minimalistische Spiritualität von eigenartiger Wucht. Eine Facette in Simpsons Œuvre, ganz anders als die kontrollierte Provokation, mit der sie sonst zur Reflexion auffordert.


Bis: 02.02.2014



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Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Lorna Simpson [25.10.13-02.02.14]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Lorna Simpson
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