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Hinweis
1/2.2014




Zürich : Karl der Grosse


von: Sonja Gasser

  
links: Evangelistar · Liber Viventium Fabariensis, Pfäfers, 9.-14.Jh., wichtigstes Werk der karolingischen Buchkunst mit über 4'500 Einträgen von Stiftern oder Wohltätern, darunter Karl der Grosse, Leihgabe Stiftsarchiv St. Gallen
rechts: Marmorplatte mit Lamm Gottes und Johannes dem Täufer, Kloster St. Johann, Müstair. 8./9.Jh., Leihgabe Archaeologischer Dienst Graubünden, Chur. Foto: Donat Stuppan


Anders als wir den Ausstellungstitel ‹Karl der Grosse und die Schweiz› verstehen könnten, beschränkt sich das ­Landesmuseum nicht auf die heute gültige Grenzziehung. Zu Recht, denn das Reichsgebiet des ­fränki­schen Königs und späteren römischen Kaisers um­fasste weite Teile Europas. So bewirkten die Reformen Karls des Grossen (748-814) im gesamten Herrschaftsbereich einen Auf­schwung in Bildung, Religion, Kunst und Ar­chi­tektur. Von dieser kulturellen Einheit muss bei der Auswahl wichtiger Ereignisse, Objekte und Orte ausgegangen werden, wenn kuratorisch eine überblicksartige Vermittlung frühmittelalterlicher Geschichte angestrebt wird. Besondere Aufmerksamkeit erhält die Pfalzkapelle in Aachen als eines der wenigen erhalten gebliebenen Bauwerke aus dieser Zeit und als Ort, der unter Karl zum Machtzentrum wurde. Auch wenn aufgrund der historischen Distanz nur wenige Zeugnisse überliefert sind, besitzt die Schweiz eine ganze Reihe wertvoller Quellen, zu denen, um nur einige zu nennen, der St. Galler Klosterplan, das Kloster Müstair sowie Handschriften aus den Stiftsbibliotheken St. Gallen und Einsiedeln zählen.
Gezeigt wird die ganze Bandbreite zeittypischer Exponate, wozu Manuskripte mit karolingischer Schrift und Buchmalerei ebenso gehören wie Elfenbeinschnitzereien, Architektur, Stuckarbeiten, Wandmalerei und Goldschmiedearbeiten. Gewisse Objekte finden zum Schutz der wertvollen und empfindlichen Originale nur als Faksimile Eingang in die Ausstellung, was die problematische Quellenlage verdeutlicht. Schade nur, dass nicht der originale oder wenigstens faksimilierte St. Galler Klosterplan zu sehen ist. Die digitale Version verbessert zwar das Verständnis durch Zusatzinformationen, überzeugt aber als pixelige Projektion nicht sonderlich. Problematisch, da falsche Vorstellungen entstehen können, ist auch das im 19. Jahrhundert geschaffene Modell der Anlage, es zeigt aber zugleich einen über die Jahrhunderte erfolgten, paradigmatischen Wandel bei der Interpretation historischer Quellen auf. Dennoch vereint die Ausstellung, als Ganzes gesehen, beeindruckende Exponate, die einerseits das historische und kulturelle Umfeld Karls vermitteln, andererseits die vorhandenen Spuren in der Schweiz aufzeigen. Selbst der Nachruhm, der besonders auch in Zürich seine Blüten trieb, ist eine Thematisierung wert. Wer sich ausgiebiger den Schweizer Themen widmen möchte, greife zum fundierten Katalog.

Bis: 02.02.2014



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Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Karl der Grosse und die Schweiz [20.09.13-02.02.14]
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Institutionen Schweizerisches Landesmuseum [Zürich/Schweiz]
Autor/in Sonja Gasser
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