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Besprechung
1/2.2014


Sarah Merten :  Anton Bruhin macht Vieles. Palindrom-Poesie, Maultrommel-Musik, Zeichnungen, Malereien, Computerkunst und Textbilder. Nicht erst seit gestern und vor allem nicht nur ein bisschen, sondern intensiv, randvoll ausgereizt und in erster Linie: reizvoll - wie die aktuelle Ausstellung in Emmenbrücke zeigt.


Emmenbrücke : Von Pixeln und Mäusen


  
links: Anton Bruhin, Zwei Heuballen vor Halap, Ungarn, 2006, Öl auf Leinwand, 65 x 80 cm Courtesy Galerie & Edition Marlene Frei, Zürich
rechts: Anton Bruhin, Aus der Serie Hice for Weiss, Nr. 478, 2012, Siebdruck auf Alu, 36 x 56,2 cm © Abbildung: Anton Bruhin, Zürich


Bei einer derartigen Schaffensfülle eine präzise Werkauswahl zu treffen, ohne in Beliebigkeit abzugleiten, ist nicht einfach. Doch gelingt ebendies der Einzelausstellung in der Kunstplattform akku und namentlich der Kuratorin Natalia Huser, die den Ausstellungsraum seit 2011 zu einer treffsicheren Wahl in der eigenen Kulturagenda macht. Um die kuratorische Herausforderung noch zu steigern, verzichtet sie bei Anton Bruhin (* 1949) auf eine klassische Retrospektive. Mit Ausnahme dreier Werkgruppen entstanden die ausgestellten Arbeiten nach der Jahrtausendwende. Ein gelungener Kniff, denn ihnen allen ist Bruhins künstlerische Haltung deutlich abzulesen. Unbändige Spielfreude aber auch die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Medium prägen sowohl die älteren wie jüngeren Arbeiten, was unweigerlich auch auf jene Werke verweist, die nicht in der Ausstellung zu sehen sind.
Anton Bruhin setzt sich strenge Aktionsrahmen, um sich darin sogleich nach Lust und Laune auszutoben. Für die Serie ‹500 Typogramme›, 2002, dicht an dicht gehängt, bestand der Spielraum aus sämtlichen Buchstaben und Sonderzeichen der Schrift Courier sowie 500 Blatt Papier mit Format A4. Bruhin hat die Schriftzeichen zu Textbildern ohne inhärenten Wortsinn übereinandergelagert und kreiert sprachliche Chiffren, die hier an mystische Symbole und dort an drollige Hundeköpfe erinnern. Der Fokus liegt auf der systematischen Erforschung des (Schrift)Bilds, sobald sich die Anordnung einzelner Elemente verschiebt.
Um unzählige Kombinationsmöglichkeiten mit reduziertem Baumaterial dreht sich auch die Siebdruckserie ‹Hice for Weiss›, 2012. Mit einem Pixel und einem einfachen Computerprogramm als Ausgangslage, generierte Bruhin mehrere hundert Motive, die in Zeiten des 3D-Renderings durchaus als analog bezeichnet werden können. Dass es noch reduzierter geht, zeigt sehr vergnüglich das Trio der ‹Suprematistischen Mäuse›, 2010. Bruhin entlarvt Malewitschs ‹Schwarzes Quadrat› als Urpixel, setzt ihm quadratische Ohren auf und kommentiert Kunstgeschichte und Unterhaltungsindustrie gleichermassen. Mit Sicherheit hätte er so auch den Ost-West-Konflikt schalkhaft entschärft.
Auch die Malerei hat Anton Bruhin immer begleitet. So sind in der Ausstellung Bilder ungarischer Landschaften zu sehen, die in traditioneller Weise «en plein air» direkt auf dem Feld entstanden. Durch die Intensität der eigenen Bildwirkung erhalten sie in Bruhins Schaffen ihre individuelle Berechtigung.


Bis: 19.01.2014



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Ausgabe 1/2  2014
Ausstellungen Anton Bruhin [30.11.13-19.01.14]
Institutionen akku/Kunstplattform [Emmenbrücke/Schweiz]
Autor/in Sarah Merten
Künstler/in Anton Bruhin
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