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Fokus
3.2014


 Das aktuelle Kulturförderungsgesetz des Bundes beauftragt die Stiftung Pro Helvetia mit der Nachwuchsförderung. Die Abteilung Visuelle Künste lancierte hierfür im vergangenen Herbst verschiedene neue Förderinstrumente, so den ‹Beitrag an Kunsträume›. Dazu Stimmen aus der Praxis.


Kunstförderung - Eine partielle Bestandsaufnahme


von: Gabriel Flückiger

  
links: Lokal-int, Biel, 2013
rechts: Marianne Burki bei der Plat(t)form 2014 im Fotomuseum Winterthur


Lautstarker Protest ertönte aus der unabhängigen Kunstszene, als die Preise für Kunsträume des Bundesamts für Kultur (BAK) nach Inkrafttreten des Kulturförderungsgesetzes nicht mehr existierten. Doch die Pro Helvetia reagierte. Im Dialog mit den unabhängigen Kunsträumen - so der entstandenen Charta 2016-Bewegung - und weiteren Akteuren schaffte sie ein neues Förderinstrument für unabhängige Projekträume und kleinere und mittlere Institutionen. Die nun bereitstehende jährliche Summe von ungefähr CHF 250'000 übersteigt sogar das ursprüngliche Fördervolumen vom BAK. Trotzdem wurde wiederum Missmut laut, da die Gelder nur gesprochen werden, wenn primär Nachwuchskünstler/innen - Leute unter 35 Jahren - beteiligt sind. «Für mich ist dies ein direkter Eingriff in die Programmierung», kritisiert Stefan Wagner, Mitbetreiber des Zürcher Corner College und Wortführer der Charta 2016. Off-Spaces sind zwar häufig erste Plattform für junge Künstler/innen, jedoch nicht ausschliesslich unter diesem Aspekt wahrzunehmen. Auch etablierte Kunstschaffende schätzen die Projekte und Räume für deren thematische Ausrichtung oder als Experimentierfeld abseits der grossen Institutionen.

Gute Ergänzung
Mit dem Förderinstrument versucht nun die Pro Helvetia auf die Bedürfnisse der Off-Space-Szene einzugehen und deren Heterogenität und Dynamik zu berücksichtigen. Die Richtlinien erlauben nomadisierende Arbeitsweisen und bei Jahreseingaben sind keine fixen Künstlerlisten nötig. Einzig eine Beständigkeit von bereits drei Jahren müssen die Projekträume aufweisen. Chri Frautschi, Kurator des Kunstraums Lokal-int, sieht die Sache indes auch gelassener: «Die Gelder von Pro Helvetia stellen eine gute Ergänzung dar.» Da seine wöchentlichen Ausstellungen auch junge Künstler/innen umfassen, fällt ein Teil des Programms automatisch in die Förderkriterien von Pro Helvetia. «Jede/r Beteiligte/r erhält bei mir einen Pauschalbetrag. Gesamthaft gerechnet, bekommen durch das Geld von Pro Helvetia alle mehr.»

Markttauglichkeit?
Die Nachwuchsförderung in Zusammenhang mit Kunsträumen ist aber nur ein Aspekt der Aktivitäten von Pro Helvetia. «Wir versuchen die ganze Karriere eines Kunstschaffenden umfassend zu verfolgen», kommentiert Marianne Burki, Leiterin Abteilung Visuelle Künste der Pro Helvetia. Wie bis anhin wird das etablierte Kunstschaffen durch Beiträge an Ausstellungen, Publikationen, Symposien und Workshops unterstützt, doch stehen differenzierte Instrumente für den Nachwuchs zur Verfügung, so für Residency-­Aufenthalte und Messeauftritte. Letzteres - Galerien erhalten seit vergangenem Herbst Mittel, wenn sie mit jungen Schweizer Kunstschaffenden an internationalen Messen Einzelausstellungen realisieren - wirft jedoch die Frage auf, ob dies nicht eine direkte staatliche Intervention in privatwirtschaftliche Bereiche und eine Bevorzugung von Kunst ist, die sich gut verkaufen lässt.

Vielfalt
Burki vertritt diesbezüglich jedoch eine dezidierte Haltung: «Kunstschaffende sollen früh die Möglichkeit erhalten, Erfahrungen in den unterschiedlichen Bereichen des Kunstfelds sammeln zu können.» Für viele Galerist/innen sei das Risiko aber zu gross, an einer Messe auf eine junge, unbekannte Position zu setzen, weshalb es der Förderung bedarf. Zugleich widerspricht Burki dem Vorwurf der Markttauglichkeit: «Zusammen mit externen Expertinnen und Experten sprechen wir Beiträge hinsichtlich der künstlerischen Qualität, experimentierfreudige und gesellschaftskritische Haltungen sind hier sehr wichtige Kriterien.» Die Vielfalt sei entscheidend.
Gabriel Flückiger ist Kunstkritiker und Kurator der Off-Space-Projekte [balk] und Ortsverein, lebt in Bern und Zürich. gabriel.flueckiger@hotmail.com



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Ausgabe 3  2014
Autor/in Gabriel Flückiger
Link http://www.prohelvetia.ch
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