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Besprechung
3.2014


Eveline Suter :  Kunst in der weiss verschneiten Schneelandschaft statt im White Cube - ‹Elevation 1049› präsentiert Kunst im und um den Prominentenskiort Gstaad. Die heitere Kunstschnitzeljagd öffnet die Augen für aus- und abgestellte Objekte im öffentlichen Raum und wirft Fragen zur Kunst ebendort auf.


Gstaad : ‹Elevation 1049› - Kunst fährt Ski


  
links: Roman Signer · Alles fährt Ski, 2014. Foto: Stefan Altenburger
rechts: Olaf Breuning · Snow Drawing, 2014. Foto: Stefan Altenburger


Ausgerüstet mit Faltkarte machen wir uns auf Entdeckungsreise zu den 26 Werken und zwei Ausstellungen, die sich zwischen Saanen und dem Sex Rouge an diversen Orten eingenistet haben: am Flughafen, am Pfeiler einer Eisenbahnbrücke, im Bunkersystem, in der Hotelbar, an Fassaden, in Parks, in der Gondelbahn oder auf der Skipiste. Dass sich Sylvie Fleury das Schlosshotel Palace für ihre Installation ausgesucht hat, überrascht nicht, wie sie dort aber die Flucht aus dem Luxus inszeniert, ist märchenhaft und stimmig. Thomas Hirschhorn hat ebenso typisch ein Iglu-Hüttendorf gebaut, in dem dokumentenreich sämtliche Übel der Welt thematisiert werden.
Zur Eröffnung liess Olaf Breuning mit eingefärbtem Schnee Farbkleckse auf die Piste rieseln und Roman Signer schickte - inspiriert durch den Schlager ‹Alles fährt Ski› - eine Hütte auf Skiern den Hang hinunter. Das Video des Making-of löst in der schräg gestrandeten Behausung Schwindel aus. Obwohl viele Werke speziell produziert wurden, reagierten nur wenige Künstler/innen so unmittelbar auf den Ferienort. Ugo Rondinone platzierte einen seiner weissen Olivenbäume auf der Promenade und Pipilotti Rist lässt eine Videoprojektion auf einer Barflasche flimmern. Einige Werke integrieren sich wie selbstverständlich in ihre Umgebung: Durch die beschlagene Scheibe einer Garage sehen wir die Installation von Fischli/Weiss aus allerlei nachgebautem Gerümpel, und die klingenden Steine von Hannah Weinberger stehen wie Findlinge auf dem Bahnhofsparkplatz, wo sie mit ihrem überraschenden Klang irritieren und verzaubern. Auf der Suche nach den Werken fallen auch Skulpturen ins Auge, die früher bereits von Galerien und Hotels aufgestellt wurden. So kontrastieren Urs Fischers Bronze-Sessel mit einem Brunnen, aus dem laut Beschriftung das Kälblein Rosie trinkt - schöner könnten zwei Skulpturen-Welten nicht aufeinandertreffen.
Das Kuratorenteam setzte mehrheitlich auf bekannte Schweizer Namen, Biennale-Künstler, favorisierte Newcomer und Stars mit gesichertem Provokationswert. Das ergibt einen kurzweiligen Parcours, lässt aber auch die Frage aufkommen, wie angepasst Kunst im öffentlichen Raum sein muss, beziehungsweise wie anstössig sie sein dürfte. Der bewegte Raus-aus-dem-Museum-Gestus der Siebzigerjahre ist längst institutionalisiert. Die Ausstellung, produziert von der LUMA&Stiftung, soll «eine Reihe von ortspezifischen Kunstausstellungen» eröffnen. Wir dürfen gespannt sein, auf welcher Meereshöhe die Stiftung als nächstes gastiert.

Bis: 08.03.2014



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Ausgabe 3  2014
Autor/in Eveline Suter
Künstler/in Olaf Breuning
Künstler/in Roman Signer
Künstler/in Sylvie Fleury
Künstler/in Ugo Rondinone
Künstler/in Hannah Weinberger
Künstler/in Fischli/Weiss
Künstler/in Pipilotti Rist
Link http://www.elevation1049.org
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