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Besprechung
3.2014


 Die Biennale Venedig 2011 machte ihn breiter bekannt. Einer seiner Beiträge trug den Titel ‹Weisses Lächeln› und bestand aus einem weissen Kärtchen, das an einem Faden gegenüber von drei grossen Gemälden Tintorettos von der Decke hing - ein Nichts an Material und doch eine unendliche Projektionsfläche.


Köln : Bruno Jakob - The Visitors


  
links: Bruno Jakob · The Visitors: Somewhere Now. Sky Cells. Flood of Thought. Untouchables, 2013/14, ­Basel, Wald, Aarburg, New York, Köln, Düsseldorf, Dublin, Siegen und Rudolf de Crignis, Painting # 99.04 (Ultramarine blue/Royal blue), 1999, Ausstellungsansicht Kolumba, Köln. Foto: Lothar Schnepf
rechts: Bruno Jakob · Philosophy Energized (Invisible Paintings), Malerei-Performance Amden, 8. September 2002. Foto: Eliane Rutishauser


Tatsächlich arbeitet der Schweizer Bruno Jakob (*1954) schon seit 1968 an seinen ‹Invisible Paintings›, wie er seine Malerei mit unsichtbaren Materialien nennt. Noch vor seiner künstlerischen Ausbildung, die ihn an die Kunstgewerbeschule Basel und von dort an die Düsseldorfer Akademie führen sollte, beschäftigte er sich mit dem Unsichtbaren, dem Verborgenen, Immateriellen. Was nach Esoterik und Geheimwissenschaft klingt, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Ausdruck einer erhöhten Aufmerksamkeit gegenüber den Dingen und der Wahrnehmung. Es geht um die einerseits überbetonte und gleichzeitig oberflächliche Rolle des Visuellen in unserer Gesellschaft und eine neue Sensibilität für dessen eigentliches Potential.
Pünktlich zum Ausstellungsbeginn im Kolumba wurde Bruno Jakob der erstmals vergebene Preis der Sammlung Ricola verliehen, dotiert mit CHF 20'000 sowie einer Publikation. Im Kölner Museum sind zwei Installationen zu sehen. ‹Happy Nothing: Still Collecting› vereint Arbeiten in unterschiedlichen Formaten auf Papier bzw. grundierter Leinwand aus der Zeit von 1990 bis 1998. Alle möglichen Variationen von Weisstönen und Griffigkeiten des Materials sind vertreten, doch die Flächen bleiben scheinbar unberührt. Die einzigen Spuren lassen sich gelegentlich durch die typischen Wellungen ausmachen, die entstehen, wenn Papier mit Wasser in Kontakt kommt. Aus den ausführlichen Bildlegenden lässt sich entnehmen, dass hier tatsächlich mit Wasser gemalt wurde, daneben finden sich aber auch «Malmittel» wie Licht, Energie, Berührung oder Gedanken. Zusammen mit den Titeln klingt das schon sehr exzentrisch. ‹Waving Animals (Yellow), Wasser› oder ‹A Deep Sleep, Survived, Berührung und Energie› öffnet einen mächtigen Vorstellungsraum mit einem Minimum an materieller Substanz. Die Arbeiten sind niemals abgeschlossen; auch die dreimonatige Gemeinschaft mit Lochners farbenprächtiger Veilchenmadonna und der Ansturm der Besucher wird sich ihnen unweigerlich einschreiben.
Die zweite Installation vereint eine Schiefertafel und aufgerollte, gefaltete Leinwände, in denen sich laut Beschreibung über 12'000 unsichtbare Bilder verbergen. Was aber hat es mit den ‹Visitors› des Ausstellungstitels auf sich? Jakob legte Papierbögen ins Freie, die von Schnecken aufgesucht, angefressen und teilweise durchlöchert wurden. Die ‹Schneckenmalerei› fand Eingang in ein Künstlerheft, das zur Ausstellung in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen ist.

Bis: 05.05.2014


Performance Bruno Jakob und Hans Witschi, am 30.3.,15 Uhr



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Ausgabe 3  2014
Ausstellungen Bruno Jakob [15.01.14-05.05.14]
Institutionen Kolumba [Köln/Deutschland]
Künstler/in Bruno Jakob
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