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Besprechung
3.2014


Yasmin Afschar :  Malerei in unterschiedlichsten Aggregatszuständen bietet die Einzelausstellung von Giacomo Santiago Rogado im Museum im Bellpark. Nebst den Arbeiten auf Leinwand überraschen vor allem die plastischen Werke. Aber auch sie sind Resultat von Rogados konsequenter Befragung des Mediums.


Kriens : Giacomo Santiago Rogado - Kontrollierter Kontrollverlust


  
Performance Bruno Jakob und Hans Witschi, am 30.3.,15 Uhr


Giacomo Santiago Rogado (*1979, Luzern) zeigt in Kriens einen Querschnitt durch sein jüngstes Schaffen. Eine angenehm überschaubare Zahl von Werken ist über drei Etagen der ehemaligen «Villa Florida» präzise inszeniert; die Stossrichtung der Schau erschliesst sich rasch: Es geht um Malerei - um ihre Konzepte, Verfahren, Wirkungen und Potenziale. Erzielten Rogados frühere Arbeiten ihre optischen Reize oftmals durch vibrierende Oberflächeneffekte, so geben die neuen Werke, wie jene aus der Serie ‹Intuition›, die vormals streng organisierten All-Over-Muster auf. Die Bildformen - amorphe Farbwolken - entstehen nicht «klassisch», durch additiven Farbauftrag, sondern durch die direkte Bearbeitung des Trägermaterials: Die Baumwolle wird eingefärbt; andernorts bestreut Rogado sie mit Pigmenten und/oder Salzlösungen und verschränkt so Bildgrund und Farbe. Die erzielten Effekte kann der Künstler nur bedingt steuern, kontrollierter Kontrollverlust ist das Credo.
War man geneigt, Rogados frühere Arbeiten in die Tradition der Op-Art zu stellen, liessen sich heute Brücken schlagen zur Farbfeldmalerei. So zielen die Werke auf die Verfeinerung der Wahrnehmung, verweisen auf die transzendentalen Qualitäten von Farbe und darüber hinaus. Den Künstler faszinieren alle erdenklichen Eigenschaften von Farbe. Deren Materialität thematisiert er beispielsweise, indem er auf die eingefärbten Leinwände als Farbschichten erkennbare Strukturen oder bunt gemusterte Acrylfarbhäute legt. Auf zwei Fliessbilder, ‹Focal 1› und ‹Focal 2›, sind rechteckige monochrome Felder gesetzt - Bilder im Bild -, auf welchen die Farbe als plastisch modellierte Strahlen vom Zentrum an die Ränder drängt. Hier entfaltet sich die Farbe von einem Epizentrum her - dem im Ausstellungstitel beschworenen ‹Focal Point› (Kristallisationspunkt) - und entwickelt geradezu haptische Qualität. Symbolisch wirkt schliesslich der Einsatz von Farbe in den plastischen Arbeiten. Als formgewordene Pinselstriche tauchen handliche Tonobjekte da und dort auf, mal mit Tüchern verbunden, dann schlingenförmig um bunte Glühbirnen formiert - als sinnbildliche Verkörperungen der Leuchtkraft der Farbe.
Im Untergeschoss erlaubt uns der Künstler einen Blick hinter die Kulissen. Zwei Videoprojektionen zeigen den Entstehungsprozess von Arbeiten, eine Diabildschau gibt Einblicke in Rogados persönliches Bilderarchiv. Der Raum ist als Reflexionsraum angelegt, der in der Begleitpublikation fortgesetzt werden soll.

Bis: 02.03.2014



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Ausgabe 3  2014
Ausstellungen Giacomo Santiago Rogado [23.11.13-02.03.14]
Institutionen Museum im Bellpark [Kriens/Schweiz]
Autor/in Yasmin Afschar
Künstler/in Giacomo Santiago Rogado
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