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Besprechung
3.2014


Dominik Marosi :  ‹Art & Arcade› im Haus für elektronische Künste führt zurück ins Zeitalter der Arcadespiele. Kunstschaffende haben sich mit dem (Video-)Spielautomaten auseinandergesetzt, seitdem er in seiner Blütezeit, Ende der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre, Ikonen der Popkultur wie Pac-Man und Mario hervorbrachte.


Basel : ‹Spielsalon: Art & Arcade› - Der Kunst die Kugel geben


  
Andreas Ullrich · The Machine, 2014


Herausgekommen sind dabei ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Während die ‹Tesla Arcade›, 2013, von Marius Winter, Marie Wellershoff und Benedikt Haas mit digitaler Technik eine scheinbar analoge Hommage an Nikola Tesla darstellt, gingen Mobileskino (David Pfluger, Florian Olloz, Gilbert Engelhard, Roland Schmidt) den umgekehrten Weg und kreierten mit ‹Racer› ein Simulakrum: Mit rein analogen Medien wie 8-mm-Film und Diaprojektor entsteht ein Spielautomat, den es so nie gegeben hat. Sein prädigitales Inneres verbirgt er unter einem Kartongehäuse, das zur Soundgenerierung auch einen Kassettenrecorder in sich trägt. «Was digital kann, kann analog schon lange. Man kann Videogames auch mit Technik aus den Fünfzigerjahren machen», erklärt David Pfluger von Mobileskino und ergänzt, dass es sich strenggenommen um einen interaktiven Animationsfilm handelt. Das Basler Künstlerkollektiv hat für seine Reihe ‹Game Arcade› drei weitere Automaten erschaffen und den bei ‹Art & Arcade› ausgestellten Racer zu einem Weltraumshooter umgebaut.
Der Kunstwelt die Kugel geben kann man direkt daneben bei ‹The Machine›, 2014, einem Flipperautomaten von Andreas Ullrich und der C. Rockefeller Art Investment Group. Ein zynischer Kommentar auf die Kunstwelt sei ‹The Machine›, so Ullrich. Die klassischen Flipperelemente von Kombinationen aus Treffern, die Punkte multiplizieren, entsprechen hier Kuratoren und Galeristinnen, von denen die Sichtbarkeit der Kunstschaffenden abhängig ist. Die Art Basel verdoppelt alle gesammelten Punkte. Diagonal gegenüber steht ein weiteres Ballspiel. ‹Cage was a N00b›, 2013, ist ein multimedialer Tischfussball-Tisch. Mittels einer Soundinstallation und projizierten Grafiken wird der Spielverlauf gleichermassen kommentiert wie aufgewertet. Das von drei Komponisten gestaltete Werk verweist auf das Schachspiel zwischen Duchamp und Cage im Jahr 1968, bei dem die Bewegungen der Schachfiguren Kompositionen aktivierten. Aber nicht alles soll in der von Alain Bieber kuratierten Schau Spass machen: An der ‹Pain Station› von //////////fur//// art entertainment interfaces, 2002, wird man für schlechtes Spielen physisch bestraft und die Installation ‹Radical ATM Service›, 2014, schluckt EC-Karten. Spielen heisst eben auch verlieren können - schliesslich ist der Mensch, wie Schiller sagte, nur da ganz Mensch, wo er spielt.

Bis: 16.03.2014



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Ausgabe 3  2014
Ausstellungen Spielsalon: Art & Arcade [16.01.14-16.03.14]
Institutionen HeK Haus der elektronischen Künste Basel [Basel/Münchenstein/Schweiz]
Autor/in Dominik Marosi
Künstler/in Andreas Ullrich
Künstler/in Marius Winter
Künstler/in Marie Wellershoff
Künstler/in Benedikt Haas
Künstler/in David Pfluger
Künstler/in Florian Olloz
Künstler/in Gilbert Engelhard
Künstler/in Marina Anisimowa
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