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3.2014




Rita Ponce de León


von: Yvonne Ziegler

  
Rita Ponce de León · Endless openness produces circles, 2014, Installationsansichten Kunsthalle Basel


Zeichnen beschreibt die peruanische Künstlerin Rita Ponce de León (*1982) als eine besondere Form intuitiven Denkens. Dabei öffnen sich neue Pfade und die Wahrnehmung von Realität wird transformiert. Dass ihre rätselhaften Tusche- und Buntstiftzeichnungen eher assoziative Denkflüsse und Gedankensprünge spiegeln, denn eine konkrete Idee, ist nachvollziehbar. Dies machen insbesondere die kleinformatigen Blätter mit ihrer Linienführung deutlich. Man könnte sie als gezeichnete Varianten von Kleists treffender Bemerkung «Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden» bezeichnen und in den Kontext des unbewussten, automatischen Schreibens stellen: offen, unbestimmt, fragmentarisch und surrealistisch. Nur wenige Figuren sind als solche zu erkennen, die angedeuteten Umrisse führen ins Innere, laufen ins Leere oder verschmelzen zu anderen Körpern. Fein gezeichnete, rätselhafte Blätter, die in offenen Rahmen stecken und aus denen untergründige Schwermut blickt. Ein Geköpfter kniet am Boden, ein Gesicht auf der Schnittfläche tragend. Aus einem Frauenrücken ergiesst sich ein See aus zwei Torbogen. In anderen Blättern ist kaum Figürliches zu erkennen wie bei den parallel verlaufenden, sich kreuzenden und mäandernden Linienpaaren. Seit zwei Jahren setzt sich Ponce de León mit dem japanischen Tanztheater Butoh auseinander, in dem die metaphorische Öffnung des Körpers eine zentrale Rolle spielt. Dass dabei das Private auch eine universelle Dimension haben kann, macht sich Ponce de León zu eigen. Ihren für die Ausstellung in der Kunsthalle Basel gezeigten Zeichnungen auf Papier und Wand liegen Gespräche mit Freunden und Bekannten zugrunde, die sie textlich verdichtete und anschliessend visualisierte. Eine Wandzeichnung zeigt um ein leeres Oval herum angeordnete Köpfe. Verbindungslinien sowie Metallgestänge und eine Wanddoppelung aus Molton des mexikanischen Architekten Pablo Pérez Palacios sollen die Bedeutung von Freundschaft, Zusammensein, Verbindung und Öffnung in Ponce de Leóns Werk verdeutlichen. Es befremdet jedoch, dass in einer um Freundschaft kreisenden Werkserie keine Wärme zu spüren ist. Ihr Akt der Distanzierung vermag zwar das (alb-)traumhafte des Gesprochenen wiederzugeben, jedoch auf Kosten spürbarer Emotionalität.



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Ausgabe 3  2014
Ausstellungen Rita Ponce de León [02.02.14-30.03.14]
Institutionen Kunsthalle Basel [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Rita Ponce de León
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