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3.2014




Tatiana Trouvé


von: Hans Rudolf Reust

  
links: Tatiana Trouvé · The Guardian, 2014 ©ProLitteris. Foto: Roman März
rechts: Tatiana Trouvé · The Guardian, 2014 ©ProLitteris. Foto: Roman März


Da liegt eine t-förmige Trägerwand in der Mitte des zentralen Raumes des Schinkel Pavillons. Auf der einen Seite ist sie perfekt weiss gestrichen, auf der anderen ebenso, aber überaus fehlerhaft. Die liegende Wand hat hier wie im «richtigen Leben» eine tragende Funktion, doch nicht der Architektur gibt sie Stabilität, sondern einer auf ihr abgelegten Matratze. Diese ist gebraucht und nicht bezogen und spielt so auf die Matratzen an, die man in Berlins Stadtbild immer öfter auf den Bürgersteigen sieht. Dort sind sie unerlaubt «entsorgt» worden, nach Wohnungsauflösungen, die der fortschreitenden Gentrifizierung der Stadt geschuldet sind. Links und rechts der Wand hat Tatiana Trouvé auch noch jeweils eine dieser Matratzen platziert. Wie erst der nähere Blick erweist, sind die drei Matratzen aus schwerem Beton gefertigt und bringen so die Statik des Raumes beinahe in Gefahr. In der Installation ‹The Guardian› geht es nämlich genau darum: Instabile Zustände werden hier in einem bildhaften Ensemble irritierend in Szene gesetzt. Dazu hat die Künstlerin zudem eine in Bronze gegossene Plastiktüte an die Wand gehängt, als Symbol für unsere umweltgefährdende Wegwerfgesellschaft. Daneben findet sich eine originale, mit Müll gefüllte Tüte aus dem Supermarkt. An der Wand steht zudem ein schwarzer Stuhl, und wieder sorgt eine Transformation des Materials für Irritation, ist doch dieser echt aussehende Stuhl aus Bronze. Dieser Stuhl verweist auf einen abwesenden Wachmann (Guardian), der hier platziert auf das urbane Umfeld des Schinkel Pavillons in Berlin Mitte schauen würde. «Sein Blickwinkel bildet das Gedächtnis der Landschaft ab, seine Perspektive wird im Ausstellungsraum reflektiert», schreibt Trouvé. Diese Perspektive ist die einer unübersichtlichen Baustelle, der Neubau des Stadtschlosses beispielsweise findet ganz in der Nähe statt. Innere und äussere Instabilität durchmischen sich also in der Installation dadurch, dass der Blick von innen nach aussen gleichsam zurückgeholt wird in den Ausstellungsraum mit seinen Zitaten prekär-provisorischer Lebensumstände. Überzeugend an der Ausstellung ist auch, dass die Künstlerin bei ihrer ortsspezifischen Arbeit ohne den vordergründigen Einsatz von Baugeräten auskommt, wie Cyprien Gaillard es in seiner Ausstellung ‹What It Does To Your City› 2012 im Schinkel Pavillon noch getan hat.



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Ausgabe 3  2014
Ausstellungen Tatiana Trouvé [18.01.14-09.03.14]
Institutionen Schinkel Pavillon [Berlin/Deutschland]
Autor/in Hans Rudolf Reust
Künstler/in Tatiana Trouvé
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