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3.2014




Julian Charrière


von: J. Emil Sennewald

  
Julian Charrière · We are all Astronauts, 2014. Foto: Marc Domage


Seine schimmeligen Betonbauklötzchen unter Glasstürzen im Palais de Tokyo vor einigen Monaten blieben hermetisch. Erst nach Lektüre erschloss sich, dass die gestapelten Würfel aus einer mit Bakterien geimpften Betonmischung bestanden, deren Basis aus Flüssen rund um den Globus stammt. «Die architektonischen Formen zersetzen sich rasch, machen so die Materialität von Zeit sichtbar», erklärt Julian Charrière (*1987). Der Bezug auf Dieter Roth ist unübersehbar. Charrière versteht sich jedoch eher als Beobachter der Hinterlassenschaften anderer - «und als Kommentator. Mir geht es um die Geologie der Geschichte.» Das verbindet ihn mit Cyprien Gaillard. Erst letztes Jahr wurde Charrière im Institut für Raumexperimente Berlin bei Olafur Eliasson als Meisterschüler diplomiert. Ende 2013 waren die 13 abgeschmirgelten Globen in Genf im Rahmen des Kiefer Hablitzel-Preises präsentiert worden. Nun hat sie Charrière im CCSP aufgebaut. Der farbige Schmirgel-Staub liegt unter den hängenden Globen auf einer Platte in einem strahlend aseptisch weissen Ausstellungsraum. «Der Kontrast zwischen gewaltsamer Geste und anziehender Ruhe der Installation soll zum Verweilen, zum Nachdenken über Globalisierung führen», erklärt Charrière. Wie darüber nachgedacht wird, ob man sich an der Schönheit der emblematischen Globen, an der Romantik ihrer Zerstörung oder an den kunsthistorischen Bezügen ihres Staubes berauscht, lässt der Künstler offen.



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Ausgabe 3  2014
Ausstellungen Julian Charrière [17.01.14-23.02.14]
Institutionen Centre Culturel Suisse [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Julian Charrière
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