Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Editorial
4.2014




Zürich Transit Maritim lässt Meeresbrise wehen


  
TITELBILD · Zürich Transit Maritim · Pollersetzung am Limmatquai, Zürich, Juni, 2010, eine Kunst-Intervention im öffentlichen Raum. Foto: Karin Hofer


Der ausrangierte Hafenkran soll als monumentales, flüchtiges Bild ein «Kino im Kopf» auslösen, so Jan Morgenthaler der Gruppe ­Zürich Transit Maritim in einem NZZ-Interview 2009. Doch welchen Wirbel das Projekt verursachen wird, war damals kaum voraus­zusehen. So sammelte die SVP Unterschriften für eine Zonen­plan-Änderung und forderte: «Auf das Ortsbild der Stadt Zürich verändernde, wirtschaftlich unsinnige und Steuergeld vernichtende Vorhaben und Projekte ist zu verzichten.» Nur dank beherzter, privater und amtlicher Unterstützung - unter anderen stehen Stadtrat Waser und seine Frau mit CHF 80'000 für eine Finanzierungs­lücke gerade - wird nun der Hafenkran in Zürich doch real.
Gleichzeitig erscheint eine Publikation, die zeigt, dass schon im Mittelalter Kräne zur Entladung von Material aus Steinbrüchen oder von Weizen für das städtische Kornhaus die Limmat säumten. Auch maritime Sehnsüchte sind hier nicht neu, wie historische Pläne für transhelvetische Kanäle von Basel über den Genfersee nach Marseille oder über den Bodensee ins Schwarze Meer bezeugen.
Kunst im öffentlichen Raum ist selten krisenfrei. So wurde Jean Tinguelys ‹Heureka›, sein bildgewordener, scheppernder «Zweifel an Fortschritt und Kapitalismus» nach Ende der Expo 64 von der Walter A.Bechtler Stiftung erworben, konnte jedoch erst Jahre später am Zürichhorn platziert werden.
Auch Meret Oppenheims Brunnen war ursprünglich nicht willkommen, wie eine Unterschriftensammlung des Vereins ‹Heit Sorg zu Bärn› an einem sonnigen Märit-Samstag deutlich werden liess. Heute allerdings erinnert nur noch eine Klammerbemerkung auf der Website des Vereins daran, dass die damalige brunnenfeindliche Aktion «verpolitisiert» und «nicht unbestritten war». Das lässt auch für den Hafenkran hoffen. Jedenfalls sind wir auf die weitere Umsetzung des Scripts gespannt.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 4  2014
Autor/in Claudia Jolles
Künstler/in Martin Senn
Künstler/in Barbara Roth
Künstler/in Fariba Sepehrnia
Künstler/in Jan Morgenthaler
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=140322101559AGE-0
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.