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Besprechung
4.2014


Andrina Jörg :  Quynh Dong zeigt im Kunstraum Baden Skulpturen und Videos aus medial genährten Traumwelten, die im hybriden Zwischenraum verschiedener Kulturen entstehen. Die Protagonisten scheinen sich in bunten, klangvoll digitalisierten Räumen und Landschaften einzurichten.


Baden : Quynh Dong - ‹Tears Of A Swan›


  
links: Quynh Dong · Sweet Noel, 2013, Videoprojektion ca. 8'. Foto: René Rötheli
rechts: Quynh Dong · Tears Of A Swan, 2013, Rosenblätter aus Keramik, glasiert, Installation: Dimension variabel, ­Courtesy Caldic Collectie, Wassenaar, The Netherlands. Foto: René Rötheli


Schon im Eingangsbereich zieht die rosafarbene Symbolik einer Welt voller Sehnsucht die Besucherinnen und Besucher in Bann: 13 fleischige Rosenblätter aus glasiertem Ton entfalten ihre vergängliche Sinnlichkeit - in überdimensionierter ­Grösse aufs Podest gelegt. Die fingerdicken, gewölbten Blütenteller changieren in der Arbeit ‹Tears Of A Swan› in zarten Farbtönen und materialisieren als visuelle ­Ouvertüre die schwülstige Stimmung, die zwischen Handwerk, Exotik, Alltag und dessen kitschhaften Überhöhungen oszilliert.
Im Innenraum lullt uns auf akustischer Ebene die vietnamesische Schnulze «Hai Mua Noel» (zwei Mal Weihnachten) ein: Solcherart manipuliert gibt man sich hingebungsvoll den elf identischen Grazien im rosa Paillettenkleid hin, die abwechslungsweise in sanften Tönen singen, derweil die zehn anderen in schemenhaften Posen in der digital erzeugten Bühne hingebungsvoll auf ihren Einsatz warten. Es ist Quynh Dong selbst, die sich in der beinahe bewegungslosen Videoarbeit ‹Sweet Noel› nach Vorlage der Lackmalerei des vietnamesischen Künstlers Nguyen Gia Tri (1908-1993) ins Bild montiert hat. Auf dem wandfüllenden, überirdisch leuchtenden Videotableau führt die in Bern aufgewachsene Künstlerin mit vietnamesischen Wurzeln verschiedene Kulturtechniken zusammen, interpretiert die kulturellen Versatzstücke neu und überführt sie kunstvoll in ein ortloses Morgen. Bis vor Kurzem lebte Dong als Stipendiatin in New York, ihren Eindruck charakterisiert sie wie folgt: «Die Stadt ist wie ein Zwischenraum, in dem Herkunft keine Rolle mehr spielt, denn so viele Menschen aus unterschiedlichen Ursprungsländern leben dort, dass sich Lebensweisen unter den verschiedenen kulturellen Einflüssen fortwährend neu bilden.»
Auf der Rückwand von ‹Sweet Noel›, in einer melancholisch gestimmten Arbeit mit dem Titel ‹My Second Paradise›, befinden sich zwei vietnamesische Laiendarsteller der Community von Coney Island im digitalen Dancefloor und warten - frei nach Becket - auf Godot. Immer sickert auch Traurigkeit durch Quynh Dongs Werke, die sich aus dem Alltag und seinen Sehnsüchten speist. Die Fertigung der künstlichen Kosmen ist für die Künstlerin indes sehr lustvoll: «Ich liebe es, mit Menschen zusammenzuarbeiten - und ich könnte monatelang digitale Welten schaffen.» Die Perfektion, die aus dieser Haltung heraus resultiert, ist den Werken anzusehen. Sie ist nur eine der Qualitäten der sehr sehenswerten Ausstellung.

Bis: 13.04.2014



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Ausgabe 4  2014
Ausstellungen Quynh Dong [23.02.14-13.04.14]
Video Video
Institutionen Kunstraum Baden [Baden/Schweiz]
Autor/in Andrina Jörg
Künstler/in Quynh Dong
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