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Besprechung
4.2014


Kristin Schmidt :  Sozialarbeit braucht zwischenmenschlichen Kontakt und persönliches Engagement, dann kann sie die Gesellschaft positiv verändern, sie mitformen. Dies sind seit der Aufklärung auch zentrale Ziele der Kunst. Daran gearbeitet wird bis heute, beispielsweise von der Italienerin Marinella Senatore.


St. Gallen : Marinella Senatore - Podcastradio für alle von allen überall


  
links: Marinella Senatore · The School of Narrative Dance, St. Gallen, 2014, Courtesy Mot International, ­London/Brüssel, und Peres Projects, Berlin. Foto: Gunnar Meier
rechts: Marinella Senatore · Estman Radio Station, 2014, Ausstellungsansicht, Courtesy Mot International, London/Brüssel. Foto: Gunnar Meier


Kunst und Sozialarbeit haben zusammengefunden - spätestens seit der «sozialen Plastik» von Beuys. So richtig präsent wurde die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Neunzigerjahren. Ein alter Hut also angesichts der schnelllebigen Kunst? Solange die gesellschaftlichen Fragen im sozialen öffentlichen Raum ungelöst sind, solange das Gemeinwesen erhebliches Entwicklungspotential aufweist, solange werden Künstlerinnen und Künstler in der sozialen Partizipation ein ergiebiges Betätigungsfeld finden.
Marinella Senatore (*1977) ist eine von ihnen. Die Künstlerin bringt tausende Menschen zusammen; Laien und Profis, Handwerksleute und Studierende, Arbeitslose und Kulturschaffende. Oft sind ihre Projekte langfristig angelegt und funktionieren an mehr als einem Ort, in mehr als einem Land. In der Kunst Halle Sankt Gallen stellt sie beispielsweise die ‹School of Narrative Dance› vor. Die kostenlose Schule will das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden stärken, sie lehren, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und sich in verschiedenen Kulturtechniken zu üben. Der erste Schritt ist für viele schon, dass sie überhaupt einbezogen werden, zumindest gilt das für die Menschen auf Sardinien mit seiner vergleichweise hohen Arbeitslosen-, Kriminalitäts- und Analphabetenrate - in Schweden mag das anders aussehen. Ein Projekttagebuch zeigt die Stationen der mobilen Schule und ist zugleich das fassbarste Element der Arbeit, weil es den Umfang der Idee vermittelt. Alles andere, wie etwa das grossformatige Foto einer Performance, Zeichnungen von Unterrichtssituationen oder Filmausschnitte, bleibt anekdotisch.
Deutlich zeigt sich in der Ausstellung der Widerspruch zwischen einer auf direkte Prozesse angelegten Arbeitsweise und dem Wunsch nach ästhetischer Reflektion. Die Notizen zur Musicalproduktion ‹Speak Easy› etwa sind für sich genommen sehenswert, wirken vor dem Hintergrund der eigentlichen Arbeit aber eher illustrativ als dokumentarisch. So tut es der Schau gut, dass Senatore eigens für St.Gallen ein neues Projekt lanciert hat: ‹Estman Radio›, ein permanentes, kostenloses Podcast-Radio. Alle sind eingeladen mitzuwirken und Gedanken, Musik und alles, was sonst noch akustisch funktioniert, einzusenden oder direkt in der Radiokabine aufzuzeichnen. Die Ausstellung dient als Plattform, um eine neue produktive Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die über die Räume der Kunsthalle hinauswirkt.

Bis: 13.04.2014


Projekteingaben an: contact@estmanradio.com



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Ausgabe 4  2014
Ausstellungen Marinella Senatore [01.02.14-13.04.14]
Institutionen Kunst Halle Sankt Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Kristin Schmidt
Künstler/in Marinella Senatore
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