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Besprechung
4.2014


Dominique von Burg :  Die mit zahlreichen Codes aufgeladene Kunstfigur Manon demaskiert mit ihren Selbstinszenierungen die rollenspezifischen Maskeraden unserer Gesellschaft. Nun zeigt die Zürcher Künstlerin bei Silvio Baviera Fotoarbeiten, die sich um Vergänglichkeit und körperliche Fragilität drehen.


Zürich : Manon oder eine Hommage an El Lissitzky


  
Manon · Hotel Dolores, 2008-2012, Fotoserie


Manon illustriert über weite Strecken Simone de Beauvoirs Betrachtungen des Weiblichen als künstliches Konstrukt; zumal sie seit den Siebzigerjahren mit ihrer radikal weiblichen Kunst den männlichen Blick auf die Frau entlarvt und eine selbstbestimmte weibliche Kunst und Sexualität propagiert. Mit dem ‹Lachsfarbenen Boudoir› 1974 prunkte sie mit uneingeschränkter Weiblichkeit und demonstrierte die Einheit von Kunst und Leben. Mit der Kunstfigur Manon, die Tarnung und Schutzschild ist und zuweilen Korsett wurde, hat die Künstlerin den Kampf gegen festgefahrene Rollenbilder aufgenommen. Und analog zu ihrem eigenen Altern traten in Fotoserien ‹Einst war sie Miss Rimini›, 2003, ‹Forever Young›, 1999, oder ‹Borderline›, 2007, mehr und mehr Themen wie Endlich- und Sterblichkeit in den Vordergrund.
Der Flüchtigkeit unserer Existenz und dem Lauf der Zeit spürt Manon mit der Kamera in den atmosphärischen Räumlichkeiten der drei stillgelegten, abbruchreifen Hotelgebäude Verenahof, Ochsen und Bären in Baden nach. So entstand zwischen 2008 und 2012 die rund zweihundert grossformatige Aufnahmen umfassende Serie ‹Hotel Dolores›. Als inkarnierte ‹Dolores› präsentiert sie sich in ihrem letzten Selbstporträt ‹Die Frau in Gold›, das 2011, nach ihrer Schulteroperation entstanden ist, und sie in einem goldenen, eng anliegenden Latex-Overall zeigt. Diese Bäderhotels, die von gelebtem Leben, von der unausweichlichen Flüchtigkeit der Existenz erzählen, sind in ihrem verblassten Glanz eine Inspirationsquelle für die Künstlerin und widerspiegeln sich in präzis angelegten Inszenierungen.
In mehreren Aufnahmen fällt eine Hand auf, die einen Zirkel hält. Es sind ab­fotografierte Reproduktionen von ‹Hand mit Zirkel›, eines 1924 entstandenen Selbstbildnisses von El Lissitzky (1890-1941), über dessen rechtes Auge sich eine Hand legt, die einen Zirkel hält. Während den russischen Avantgardisten Experimente mit innovativen Techniken interessierten, die einer neuen Gesellschaftsform dienen sollten, lotet Manon den Kreis multipler Selbstbilder aus. Nach wie vor zelebrieren ihre inszenierten Fotografien das Bild der weiblichen, makellosen, wenn auch etwas gealterten Schönheit. Daran prallt die Forderung von Simone de Beauvoir nach einer Befreiung von den künstlichen weiblichen Identitäten entschieden ab.


Bis: 26.04.2014



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Ausgabe 4  2014
Ausstellungen Manon [23.01.14-26.04.14]
Institutionen Galerie Museum Baviera [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Manon
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