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Besprechung
4.2014


Dominique von Burg :  Der Schweizer Künstler Erik Steinbrecher verweigert eine persönliche Handschrift. In Kippenbergerscher Manier unterläuft er Stile und Haltungen, wenn er triviale Bilder fragmentiert und zu rätselhaften Displays zusammenstellt. Nun werden seine Drucksachen erstmals in der Schweiz präsentiert.


Zürich : Erik Steinbrecher - Books & Prints


  
Erik Steinbrecher · Zermatt, 2012, Offset, Vorder- und Rückseite, erschienen zur Ausstellung ‹Uber Alles›, Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin ©ProLitteris


Irritierend, dass der eigentlich signifikante Unterschied kaum auffällt: Ein beidseitig bedrucktes Plakat zeigt das Matterhorn in zwei verschiedenen Perspektiven: einmal in seiner ikonenhaften Pyramidenform und das andere Mal als gerade aufgerichtete Bergspitze dank einer Ablichtung in Schräglage. Auf diese Weise appropriiert und verfremdet Erik Steinbrecher (*1963, Basel) Bilder, die er fotografiert oder auf seiner unermüdlichen Jagd nach Visuellem sammelt. Sein Archiv bildet die Quelle für Grafiken, Fotoinstallationen, Videos, Skulpturen und auch Werke im öffentlichen Raum. Mit den Bildern erzeugt Steinbrecher unentwegt Künstlerbücher, Broschüren und Hefte, die mitunter in seinem eigenen Verlag «rakete.co» erscheinen. Zur letztjährigen Ausstellung in Basel ‹100 Jahre Meret Oppenheim - Das Geheimnis der Vegetation› steuerte er eine Installation aus künstlichen Rasenziegeln bei, die auf dem Boden des Rheins unterhalb der Münsterfähre platziert war. Gleichzeitig diente ihm das Motiv zur Gestaltung des Ausstellungsplakats. Sein Beitrag bezog sich auf eine Postkarte von Marcel Duchamp an Meret Oppenheim folgenden Wortlauts: «Voici un objet manufacturé pour une exposition eventuelle au fond de la mer».
Der diplomierte ETH-Architekt zählt zu den Künstlern, die eine Typologie der Welt in Bildern entwickeln. Einige seiner plastischen Werke und Drucke sind zwar eigenständige Kunstwerke, stehen jedoch gleichzeitig in einem architektonischen Zusammenhang. So wenn beispielsweise industriell hergestellte Bauteile aus dem Baumarkt durch Sampeln zu eigenartigen Konstrukten transformiert werden. Seit Kurzem verwendet Steinbrecher für seine plastischen Arbeiten auch Lebensmittel, zumal er über die Essgewohnheiten die damit verbundenen unterschiedlichen Kulturen beobachtet. Beispielsweise verwendet er für die Gussmodelle seiner Plastiken Brote, die ein Bäcker eigens formt; oder er fabriziert aus tausend Berliner Buletten und einer in Aluminium gegossenen Doppelbaguette eine Installation.
In der wohl disponierten Schau werden die schnell produzierten, visuell ebenso rätselhaften wie witzigen Künstlerbücher in einem Spannungsverhältnis zu den Künstlerplakaten, namentlich dem DSR (Deutsche Städte Reklame), dem achtteiligen Plakat zur documenta X, 1997, sowie der Serie mit Fahrradtrikots gezeigt. Sie werfen in der Spannweite von poetischen über absurde zu ekelerregenden Sujets die Frage nach dem Authentischen auf.

Bis: 11.05.2014



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Ausgabe 4  2014
Ausstellungen Erik Steinbrecher [19.02.14-13.04.14]
Institutionen Graphische Sammlung ETH [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Erik Steinbrecher
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