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Hinweis
4.2014




Winterthur : Lydia Wilhelm


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Lydia Wilhelm · Faltung (verlegt), Verfaltung (Bergflanke) und Verfaltung (Oberfläche), (v.l.n.r.) alle 2014. Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur
rechts: Lydia Wilhelm · Einschnitte, 2012. Ausstellungsansicht Kunsthalle Winterthur


Die aktuelle Ausstellung in der Kunsthalle Winterthur befasst sich mit dem Aufbau von Bergen und Kristallen. Die eigentümliche Sprödheit und Schönheit der Arbeiten ist der Erfahrung einer kargen Landschaft geschuldet. Die in Winterthur lebende Lydia Wilhelm (*1975) ist in Disentis und Zürich aufgewachsen. Disentis im Bündner Oberland besitzt eine alte Strahlertradition. Pionier war der Disentiser Benediktinerpater Placidus a Spescha (1752-1833). Alpine Kristallsucher holen die funkelnden Steine unter grosser Anstrengung aus sogenannten Klüften. Sobald die geborgenen Schätze gereinigt sind, verfängt sich das Licht in ihnen. Reiner Quarz vermag Lichtstrahlen zu bündeln, zu brechen und zu reflektieren.
In der Kunsthalle Winterthur erinnert der verdunkelte Seitenlichtraum an eine Quarzkluft. Klare Kristalle werden hier mit farbigem Laserlicht bestrahlt, wodurch sich deren Innenleben unterschiedlich - je nach Brechung des Lichts - als Projektion an der Wand abzeichnet. Bei der Druckserie ‹Falschlicht› wird Licht zweimal als gestalterisches Element eingesetzt. Die Serie umfasst Abbildungen aus mineralogischen Fachbüchern, die während des Einlesens mit dem Scanner durch Eingriffe deformiert bzw. variiert und dann auf eine lichtempfindliche Druckplatte übertragen wurden. Die Heliogravüren leiten zu den fotografischen Intarsien über, bestehend aus je zwei Fotografien, die durch ein Raster aus Dreiecken miteinander verschränkt wurden. Obschon die naturgewachsene Quarzstruktur aufgelöst ist, wirken die skulptural anmutenden Gebilde noch immer kristallin. Die faszinierende Schönheit der Quarze wird jedoch auf eine nüchterne Ebene heruntergebrochen.
2010 erhielt die Künstlerin ein Atelierstipendium für Reykjavik. Die Auseinandersetzung mit der isländischen Landschaft mündete in einer Reihe von Aufnahmen, die sie als reliefierte Fotografien präsentiert. Die manuell herbeigeführte Faltstruktur mit spitzen Erhebungen spielt auf die für Gebirgslandschaften typische Topografie an, doch gleichzeitig wird der visuelle Eindruck torpediert. Die Abbildung ist als solche nicht mehr lesbar, vielmehr wird sie zu einem Rahmen sprengenden Objekt, das als Landschaft en miniature den Raum erobert. Die Sehnsucht nach Weite und Erhabenheit verliert dadurch ihre Projektionsfläche.



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Ausgabe 4  2014
Ausstellungen Lydia Wilhelm [16.02.14-30.03.14]
Institutionen Kunsthalle Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Lydia Wilhelm
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