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Besprechung
5.2014


Pablo Müller :  In der Lokremise St.Gallen sichtet der in Zagreb lebende Künstler David Maljković in einer multimedialen Einzelausstellung die mit Utopien und Hoffnungen bestückte Moderne und zurück bleibt lediglich ein stummer Nachklang im weiss gestrichenen leeeren Sockel.


St. Gallen : David Maljković - In den Sockel hineinhorchen


  
links: David Maljković Display for Lost Pavillion, 2013, Installationsansicht St.Gallen. Foto: Stefan Rohner
rechts: David Maljković Display for Lost Pavillion, 2013, Installationsansicht St.Gallen. Foto: Stefan Rohner


Der weisse Sockel ist wie die geweisste Ausstellungswand eine Ikone der Moderne. Beide wollten die Kunst unterstützend rahmen und ihr durch ein zurückhaltendes Kleid zu voller Entfaltung verhelfen. Trotz dieses eigentlich edlen Unterfangens kamen beide in Verruf und waren spätestens nach 1945 direkten Attacken von Seiten der Kunstschaffenden ausgesetzt. In dem die Kunst vertikal auszeichnenden Sockel erkannten die damaligen Zeitgenossen eine künstliche Distanzierung zu ihrem Publikum. Stattdessen sollte die Kunst zu den Leuten, näher ans «Leben» und so zu neuer Relevanz finden.
Auch der in Zagreb lebende David Maljković (*1973, Rijeka) setzt beim weissen Sockel an und zeigt dabei ein eher unverkrampftes bis zuweilen manieriertes Verhältnis zu dieser Ikone der Moderne. Ein weisses Podest, direkt nach dem Eingang platziert, umfasst einen mobilen Raumteiler der Lokremise und leitet so das Publikum in den Raum. Das Plateau, das hier noch einen Diaprojektor und eine Fotocollage auf sich trägt, wird ein paar Schritte weiter zu einer freistehenden Skulptur mit einer seitlich eingelassenen digitalen Anzeige. In ‹Display for Lost Pavilion›, 2013, ist der weisse Würfel schliesslich geöffnet. Über ein Mikrophon und einen mit diesem verbundenen Verstärker können die Besuchenden in sein Inneres lauschen.
Der Rückgriff auf die Moderne, auf die das Variantenspiel mit dem weissen Sockel verweist, wird in ‹Display for Lost Pavilion› und dem Animationsfilm ‹Afterform›, 2013, noch einmal expliziter. So spielen in der Animation zwei Figuren, entlehnt aus einem Architekturmagazin, mit rechteckigen Bauklötzen Schach und in ‹Display for Lost Pavilion› greift Maljković eine frühere, dem modernen Architekten John Johansen gewidmete Arbeit auf. In dieser bildete Maljkovićden 1956 von Johansen für die Messe in Zagreb gestalteten Amerikanischen Pavillon auf einem Sockel nach. Titos Jugoslawien spielte in der Zeit des Kalten Kriegs eine Mittlerrolle und die Messe in Zagreb war in ihrer Blütezeit eine wichtige wirtschaftliche und kulturelle Verbindung zwischen Ost und West. In St. Gallen ist von dieser früheren Arbeit nur noch der Sockel übrig und dieser gibt trotz Verstärker keinen Laut von sich. Nichts mehr verweist auf das unter Tito geeinte, internationalistische Jugoslawien und auch Johansens Pavillon ist endgültig verloren. So bleibt heute von den utopischen grossen Entwürfen der Moderne nur noch ein stummer weisser Sockel.

Bis: 03.08.2014



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Ausgabe 5  2014
Ausstellungen David Maljkovic [15.02.14-03.08.14]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen – Lokremise [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Pablo Müller
Künstler/in David Maljkovic
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