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Besprechung
5.2014


Pablo Müller :  Für ihre gemeinsam konzipierte Ausstellung suchten Vera Ida Müller und Sebastian Utzni nicht nur die Verschränkung von Malerei und Bewegung. Sie entwarfen auch gleich die passende Architektur dazu und liessen diese von der Kunstbibliothek Sitterwerk bespielen. Marina Schütz traf die Bücherauswahl.


Zürich : Vera Ida Müller und Sebastian Utzni - Malerei im bewegten Raum


  
links: Vera Ida Müller · Annäherung an eine Landschaft, 2014, Öl auf Leinwand, 160x200 cm, Courtesy Herrmann Germann Contemporary, Zürich
rechts: Sebastian Utzni · Mythos (Neue Nationalgalerie, Berlin), 2014, Öl und Inkjet Print auf Leinwand, 200x200 cm, Courtesy Herrmann Germann Contemporary, Zürich


Vera Ida Müller und Sebastian Utzni sind beide der Malerei verbunden, die jedoch sehr unterschiedliche Formen annehmen kann. Die zwei grossformatigen Werke, die Müller nebst Zeichnungen aktuell bei Herrmann Germann Contemporary präsentiert, spüren mit geometrischen Elementen und satt aufgetragenen bis auslaufenden Farbverläufen der örtlichen Situation nach. Sie stellen Bewegungen und potentiell interaktive Situationen im Raum dar und machen diese so erfahrbar. Neben den Malereien nimmt auch ein fiktiver Ausstellungsplan, der für das Publikum aufliegt, Teile des Grundrisses auf und ergänzt diese mit den Werktiteln. Doch bietet dieser Leitfaden nur eine scheinbare Orientierungshilfe.
Utzni's Interesse gilt im Vergleich zu Müller weniger dem malerischen Suchen als der Suche nach dem Maler. Seit rund einem Jahr reist er Gerhard Richter nach - genauer: allen Ausstellungen mit einer Beteiligung des aktuell wohl bekanntesten Malers. Die bei diesen Besuchen entstandenen Fotografien von Richter-Werken liess er im Format 1:1 reproduzieren. Anschliessend hat er auf diese Reproduktionen die auf der jeweiligen Reise gesammelten Tickets und Eintrittskarten gemalt. Das malerische Kartieren potentieller Bewegungen im Raum bei Müller ist in den Werken von Utzni zu einem Zeugnis einer tatsächlichen Reise konkretisiert.
In der Ausstellung verknüpft Marina Schütz die beiden Positionen mit einer Bücherauswahl aus den Beständen der Kunstbibliothek Sitterwerk, die sie als Bibliothekarin betreut, und bietet so einen Referenzrahmen an. Die ausgewählten Publikationen kreisen im weitesten Sinne um die Landschaft in der Kunst. Inwiefern diese Kategorie für das Verständnis von Utzni's ‹Fan›-Archiven oder in Bezug auf Müller's Interesse an sozialen Räumen produktiv ist, wäre zu diskutieren. Zumal Müller's Werke explizit auch die Anknüpfung an die gegebene, architektonische Situation suchen. Doch dient die Bibliothek nicht nur der Sinnstiftung für die präsentierten Werke. Sie ist zugleich eine Aufforderung an das Publikum. Die Bücher sollen in der Ausstellung zirkulieren. Die Ausstellungsarchitektur, die den vorderen Raum mit dem hinteren Raum verbindet, führt die Besucher/innen wie auf einem Weg durch die Ausstellung. Die in den Werken der beiden Kunstschaffenden thematisierte Bewegung im Raum wird so in die konkrete Ausstellungssituation übertragen und setzt zu einer Reflexion von Kunst und ihrer Rezeption an.

Bis: 10.05.2014



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Ausgabe 5  2014
Ausstellungen Vera I. Müller, S. Utzni, M. Schütz, Sitterwerk [28.03.14-10.05.14]
Institutionen Herrmann Germann Contemporary [Zürich/Schweiz]
Autor/in Pablo Müller
Künstler/in Vera Ida Müller
Künstler/in Sebastian Utzni
Künstler/in Marina Schütz
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