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5.2014




Burgdorf : Thomas Ritz


von: Sabine Arlitt

  
links: Thomas Ritz · Ohne Titel, 2013, Pigment, Acrylharz auf Leinwand, 200x245 cm
rechts: Thomas Ritz · Echo, 2012, Pigment, Acrylharz auf Leinwand, 150x115 cm


Der Basler Maler Thomas Ritz (*1966) transformiert den Kabinettraum des Museums Franz Gertsch in einen Raum der Bilder. Bilder gleiten durch Bilder hindurch, Bilder entfalten szenisches Potenzial. Unauflösbar bleibt, ob Wahrgenommenes in der Gegenwärtigkeit des Sichtbarwerdens rückläufig oder vorwärts orientiert ist. Augenblicklich wird man gefangen genommen, in geschlossener Gesellschaft mit den Bildern nicht nur diesen, sondern auch sich selbst gegenüber ausgesetzt. Die Vorstellung, mit dem Blick das Gesehene zu beherrschen, wird in einer bildnerisch entwickelten Enttäuschung physisch spürbar in Frage gestellt. Für Ritz ist Malerei eine zutiefst existenzielle Angelegenheit. Man könnte, mit Blick auf diese melancholische Ästhetik, von einem poetischen Existenzialismus sprechen. In der vielschichtigen Malerei klingt das filmische Schaffen Andrej Tarkowskijs als wesensverwandte Strategie der Verbildlichung an.
Wahrnehmung zuzulassen verlangt, die Konstruktion des Körperlichen durchlässig zu halten. Was sich dabei ereignet, entzieht sich der gängigen Logik. Erinnerungen, träumerische und halluzinatorische Elemente wie auch Impulse aus der Film- und Aussenwelt verwebt Ritz als synästhetisches Reizpotenzial mit inneren Bildern. In engster Verknüpfung mit dem Material wird Zeitlichkeit evoziert. Der dünne Farbauftrag verleiht den Bildern eine ambivalente Transparenz. Die evozierte Dehnbarkeit des Bildlichen lebt entscheidend von der Vielfalt der Bildträger, seien es Leinwand, Aluminium oder mit Wachs getränktes Papier, das an Haut erinnert. Ritz' gegenständliche Bilder wirken selbstverständlich, da sie gleichsam im Material aufgehoben sind. Er verzichtet auf den Zusatz von Bindemitteln und nutzt als Malmittel einzig Wasser und Pigmente. Bedeutsam ist auch der Einbezug von Fotografie, wobei Ritz die Blende durch seine Finger ersetzt. Ein Teil des eigenen Körpers realisiert somit die Lichtsteuerung. Bilder machen, wird pointiert als genuin menschliche Angelegenheit erfahrbar. ‹Der flüchtige Horizont› heisst die von Anna Wesle in Zusammenarbeit mit dem Künstler kuratierte Ausstellung, die das Vorhandensein einer unsichtbaren Konstruktion in den Bildern thematisiert. Unentwegt wird mit der Gravitation jongliert.

Bis: 29.06.2014



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Ausgabe 5  2014
Ausstellungen Thomas Ritz [08.03.14-29.06.14]
Institutionen Museum Franz Gertsch [Burgdorf/Schweiz]
Autor/in Sabine Arlitt
Künstler/in Thomas Ritz
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