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Besprechung
6.2014


Brita Polzer :


Kriens : Xu Xixian - Die Reisen des Herrn Xu


  
links: Xu Xixian · Li Xue Pavillon. Fotografiert im Zhou Pu Town, Nan Hui Bezirk. 7.2.2002 (Es war Treffpunkt für Intellektuelle. Jetzt konfrontiert mit Zerstörung)
rechts: Xu Xixian · Gasse in der New Pudong Area und Jinmao Tower, 1998


Eine Ausbildung zum Fotografen hat Xu Xixian (*1942) nie absolviert. Als Reisverkäufer konnte er sich der Fotografie nur in seiner Freizeit widmen, besonders an den Wochenenden, an denen er - häufig mit seiner Frau - in die Vororte fuhr, um Bilder zu machen. Vor allem in den Neunzigerjahren war er unterwegs, 2009 belichtete er die letzte Filmrolle. Vieles, was Xu festgehalten hat, gibt es heute nicht mehr, etliche Dörfer und Landschaften wurden von der expandierenden Metropole geschluckt. Xu war interessiert an solchen Transformationsprozessen, nicht selten war er auf der Suche nach alten Brücken oder Gebäuden, von denen er nur wage wusste. Ihn interessierten die Spuren der Geschichte, auch jahrhundertealte Bäume, ohne dass er sich ausschliesslich solchen Motiven zuwandte. Von seinen Ausflügen und den jeweils aufgenommenen Bildern berichtete er in tagebuchartigen Notizen: Häufig frühmorgens hat er sich auf den Weg gemacht, diesen oder jenen Bus genommen, hat Leute angesprochen und ist abends heimgekehrt. Jürgen Krusche, Co-Kurator der Ausstellung, spricht in seiner 2011 erschienenen Publikation ‹Strassenräume› von einer Fortbewegung, die er als nosing around vorstellt, als Ausdruck «interesselosen Interesses», als eine Art, sich herumbummelnd durch die Stadt zu bewegen. Oft scheint Xu ein wages Ziel anzusteuern, weitere Wege und Richtungen ergeben sich. Ähnlich entspannte Beiläufigkeit strahlen seine Fotografien aus. Sie erzählen von einer Faszination für die vielfältigen Landschaften, Gassen und Architekturen der eigenen Stadt, ohne dass die Bilder gesucht und gewollt, genauso wenig aber beliebig wirken. Hier fotografiert ein Einheimischer, allerdings mit offenem, neugierigem Blick, und die Bilder sind mal exzellent, mal weniger gut gelungen, aber alle erzählen von diesem nie versiegenden und äusserst mitreissenden Interesse, das sich kaum an inhaltlichen oder ästhetischen Vorgaben orientiert.
Im Keller wird die Videoinstallation ‹Some Streets in Shanghai› vom Künstler und Kulturwissenschaftler Jürgen Krusche gezeigt, die - mit Farben, Bewegungen und Tönen versehen - wunderbar die Eindrücke von Xu ergänzt. Vom Filmemacher Yunlong Song stammt ein informativer Film über Xu, in dem man bspw. erfährt, dass dieser beim Sammeln von auf Bäumen wachsenden Pilzen die schönen Landschaften entdeckte. Wenn er, in seinen Laden zurückgekehrt, davon berichtete, wollte ihm niemand glauben, so dass er zu fotografieren begann.

Bis: 06.07.2014



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Ausgabe 6  2014
Ausstellungen Xu Xixian [06.04.14-06.07.14]
Institutionen Museum im Bellpark [Kriens/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
Künstler/in Xu Xixian
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