Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
6.2014




Muttenz : Oppenheimer/Schlesinger


von: Yvonne Ziegler

  
links: Sarah Oppenheimer · Baltimore: installation view: the Baltimore Museum of Art, 2012
rechts: Ariel Schlesinger · Oil Lamp, 2010, Glas, Metal, Öl, Baumwolldocht, 2x7x0,5 cm, Courtesy Galerija Gregor Podnar, Berlin/Ljubljana. Foto: Marcus Schneider


In der derzeitigen Ausstellung im Kunsthaus Baselland fügen sich zwei Einzelpräsentationen vortrefflich ineinander. Während die amerikanische Künstlerin Sarah Oppenheimer (*1972) den langgestreckten Annex mit einer Architekturintervention transformiert, leitet der israelische Künstler Ariel Schlesinger (*1980) mit funktional verwandelten Alltagsobjekten durch den restlichen Bau. Beide vermögen das Gegebene - einmal die vorgefundene Architektur und einmal vertraute Gegenstände - durch Aneignung der jeweils spezifischen Konstruktion, Struktur und Funktion zu erfassen und von innen heraus verblüffend umzugestalten. Dabei sind sowohl spielerisch-leichte als auch aggressiv-verunsichernde Momente von Bedeutung.
Für Sarah Oppenheimer ist dies ihr erster institutioneller Auftritt in Europa. Andernorts brach sie bereits Decken, Böden und Wände auf, um direkte oder gespiegelte Verbindungen zu anderen Räumen zu schaffen, sodass die räumliche Orientierung durch irritierende Sichten auf sich beispielsweise auf dem Kopf bewegende Menschen ins Schleudern gerät. Durch Einbau von miteinander verschränkten Wänden und Glasflächen vermischen sich in Muttenz Innen und Aussen. Denn für das menschliche Auge ist die Differenz zwischen den Koordinaten des Raums, in dem man sich befindet, und denjenigen Rauminformationen, die sich durch transparente, spiegelnde und die Sicht verstellende Elemente ergeben, widersprüchlich. Besuchende werden für einen Moment ganz auf die Gegenwart des eigenen Körpers zurückgeworfen, ein vorsichtiges Vorantasten und permanentes Nachjustieren der Raumpositionen tut Not.
Ariel Schlesinger hingegen verführt mit charmanten Dingen. Ein handelsübliches Feuerzeug wird zum stetig leuchtenden Öllämpchen, bei dessen Betrachtung man sich fragt, wie das eigentlich funktionieren kann, wieso das Plastikgehäuse nicht verschmort. Und ebenso staunend mustert man das lässig abgestellte Fahrrad, aus dessen Reifenventilen ein Flämmchen züngelt. Könnte da nicht etwas explodieren? Durch einen kleinen, aber präzisen Umbau versetzen Schlesingers Objekte in Unruhe. Der Künstler meint, dass kurz bevor etwas verschwindet Energie freigesetzt wird. Das spürt man. Wie von Zauberhand bringt er zwei Blatt Papier in Bewegung und zeigt Möglichkeiten auf, die sich in den Dingen verstecken, von uns jedoch erst durch seine treffsicheren Eingriffe entdeckt werden können.



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 6  2014
Ausstellungen Sarah Oppenheimer [23.05.14-07.09.14]
Ausstellungen Ariel Schlesinger [23.05.14-06.07.14]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Sarah Oppenheimer
Künstler/in Ariel Schlesinger
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=140524131115QFC-18
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.