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6.2014




Zürich/Den Haag : Jürgen Partenheimer


von: Roberta, De Righi

  
links: Jürgen Partenheimer · Das Archiv, 2013, Öl auf Leinwand, 72x62 cm ©ProLitteris
rechts: Jürgen Partenheimer · Fadensonnen II, 2013, Aquarell, Bleistift auf Papier, 50x65 cm ©ProLitteris


«Metaphysischen Realismus» nennt er seine Kunst: Die überirdischen Bildwelten von Jürgen Partenheimer (*1947, München) bestehen aus Kreisen, Blasen und filigranen Gitterstrukturen, vornehmlich in zarten Farben wie Mintgrün, Lachsrosa, Orange und Hellgelb. Ein wenig wirken die Formen wie stark vergrösserte Mikrostrukturen; als mache diese ätherische Abstraktion es möglich, eigentlich immateriellen Ideen und Gedanken beim Blühen zuzuschauen. Der Künstler präsentiert heuer unter dem Titel ‹Das Archiv› einen mehrteiligen Ausstellungsreigen mit Gemälden, Arbeiten auf Papier, Skulpturen und Buchprojekten in der Pinakothek der Moderne, München (bis April), der Sammlung Falckenberg in den Deichtorhallen Hamburg (bis Mai), im Gemeentemuseum Den Haag sowie in der Galerie Häusler Contemporary in Zürich. Da Partenheimer jüngst mit dem kanadischen ‹Audain Distinguished Residency Award› ausgezeichnet wurde, endet der Zyklus in der Contemporary Art Gallery Vancouver im September.
Er ist eben ein Kunst-Weltreisender, stets wird er als derjenige genannt, der es 2000 als erster westlicher Künstler schaffte, eine Retrospektive in Peking zu zeigen - und eine Aussenskulptur am Rande der ‹Verbotenen Stadt› aufzustellen. Die himmlisch-blaue ‹Weltachse› aus Würfeln steht seit ihrer Rückkehr nach Europa im Innenhof der Münchner Munich Re.
Mit ‹Das Archiv› bezeichnet Partenheimer eine Art «physisches und psychisches Lager», persönlich und universell. Er verbildlicht philosophische und literarische Inhalte als farbliche und zeichnerische Augenfreuden. Man kann sich mit ihrem geistigen Gehalt auseinandersetzen, kommt ihm mit Worten aber nicht unbedingt näher. Zudem wirken die Bilder in den berückend schönen Künstlerbüchern fast stärker als an der Wand eines Museums.Immer wieder stösst man auf den rätselhaften Titel ‹Carme›, am Ende mal mit, mal ohne «n». Er benennt das einst für eine Schau in Valencia entwickelte leichte Hochformat von 50 mal 45 Zentimetern. Oder ‹Renga›: Das bezieht sich auf das mittelalterlich-japanische Kettengedicht, das Partenheimer fasziniert, weil es eine «Struktur der Offenheit» bietet. Meditativ sind kalligrafische Farb- und Formspiele wie ‹Im Ungewissen› oder ‹Prana›, den hinduistischen «Lebenshauch». Partenheimer ist ein Meister der spirituellen Andeutung. Sein lyrischer Mini-malismus trifft den Nerv eines Publikums auf dem Weg einer Suche nach Erleuchtung.

Bis: 09.11.2014



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Ausgabe 6  2014
Autor/in Roberta, De Righi
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