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Hinweis
6.2014




Zürich : Das Familiensilber


von: Aoife Rosenmeyer

  
Harun Farocki · Das Silber und das Kreuz, 2010, Video


Das Johann Jacobs Museum kündigte bei der Wiedereröffnung im September 2013 an, zukünftig auf «kulturübergreifende Mischformen, die sich entlang der globalen Handelswege gebildet haben» ein besonderes Augenmerk zu richten. Harun Farockis Film ‹Das Silber und das Kreuz›, 2010, ist zurzeit im Untergeschoss des Museum zwischen zwei Kafeeservices aus Feinsilber zu sehen. Farocki untersuchte darin ein Gemälde von Gaspar Miguel de Barrió von 1758, eine Darstellung der bolivianischen Minen-Stadt Potosí sowie der umliegenden silberreichen Gebirgslandschaft - eine Gegend, in der spanische Kolonialisten Land und Leute ausgebeutet hatten. Am Anfang, so formuliert dies der Erzähler, war es «einfacher Raub», später Handel, Wissenschaft und Kapital. Farockis Kamera scant die Oberfläche des Gemäldes auf der Suche nach industriellen Infrastukturen, urbanen Zeichen, sozialen Merkmalen und kulturellen Spuren und vergleicht das historische Dokument mit der heutigen Stadt. Dabei berücksichtigte er sichtbare und unsichtbare Elemente des Bildes. So sind das Stadtzentrum und die freien Bewohner beispielsweise sorgfältiger gemalt als die Zwangsarbeiter und ihre Plackerei auf dem fernen Berg. Obwohl die Verbindung zu den Silberobjekten im Museum offensichtlich ist, ist die Distanz zwischen der Herkunft des Metalls und der letztlichen Verwendung enorm. Wie der Ausstellungstitel ‹Das Familiensilber› suggeriert, ist es ein dorniges Vermächtnis.

Bis: 08.06.2014



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Ausgabe 6  2014
Institutionen Johann Jacobs Museum [Zürich/Schweiz]
Autor/in Aoife Rosenmeyer
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