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Besprechung
7/8.2014


Hans Rudolf Reust :  Andres Lutz und Anders Guggisberg waren 2013 als Gastkünstler am Zentrum Paul Klee engagiert. Gemeint war damit keine gewöhnliche Ausstellung, sondern eine heitere Koordination von Agenden zwischen einer Kunstinstitution der Moderne und einem Künstlerduo, das in fast allen Sparten unterwegs ist.


Bern : Lutz/Guggisberg - Das Duo und der Doyen


  
Andres Lutz und Anders Guggisberg · Geiltrieb, 2014, Holz, skulpturale Installation in der Museumsstrasse, anlässlich der Ausstellung ‹Taking a Line for a Walk›, Zentrum Paul Klee Bern ©ProLitteris


So kam es an der Museumsnacht vor einem Jahr zu einer achtstündigen Bild-, Sound- und Sprachperformance in einem grossformatig zur Laterne umdisponierten Ambiente in den Wellen von Renzo Piano. Und warum sollte das Zentrum Paul Klee, dessen Bemessung schon bei seiner Gründung eine Phantasmagorie von Prof. Müller war, nicht plötzlich noch weiter vergrössert werden? Auf einmal stand da im April, weithin sichtbar, eine Reihe von Profilstangen, die einen «Erweiterungsbau» suggerierten. Ob dies nun eine Anspielung auf kulturelle Megalomanie oder auf fingierte Räume war, in denen Kunst auch ohne musealen Aufwand gedacht werden kann, bleibt leichthin offen. Das Video-Triptychon ‹Galaxy Evolution Melody› wurde in die Sammlungsausstellung ‹Preziosen und Raritäten von Paul Klee› integriert. Damit entstand ein Bezug zwischen der permanenten Transformation von Konstellationen im Alltag zu Kunst und von Kunst in konkret fassbare Alltagswelten.
Andres Lutz (*1968, Wettingen) und Anders Guggisberg (*1966, Biel) haben die ganze Palette ihres Werks, ihren Witz und Charme bei verschiedenen Aktionen ins Spiel gebracht. Klees verspielte, anspielungsreiche Facetten haben in anderer Zeit anders geklungen. Gerade deshalb scheint das Modell, Künstler von heute während etwas längerer Zeit und in lockerer Form an das Haus zu binden, eine gelungene Form, um Werke lebendig zu erhalten, deren Erinnerung zwischen kanonischer Verehrung und Massentourismus zu ersticken droht. Schon der Kurator Jürgen Glaesemer hat sich nach den grossen Retrospektiven von Klees Werk im Kunstmuseum Bern und im MoMA 1987 wenigstens einmal einen Urlaub für Klee in der Öffentlichkeit gewünscht.
Lutz und Guggisberg haben den ungenierten Umgang mit Klee mindestens in Fahrt gebracht. Noch heute steht vor dem Eingang der Wellen im Schöngrün die Arbeit ‹Zug/Lineament›, eine Komposition aus Beton-Elementen, die an Fundstücke der Moderne oder an eine Spielzeugeisenbahn im Fun-Park erinnern. Bleiben wird an der Glasbalustrade auch das Werk eines «Unbekannten Künstlers», das 2012 beim ersten Besuch des Duos im Zentrum durch eine spontane Widmung entstand: ‹Fenster für Gespenster - Hammerschlag auf Verbundglas›. Dass der gezielte Vandalenakt oder ein gröberes Missgeschick nicht durch Signatur für die Kunst reklamiert wurde, verriet schon einen höheren Witz im Umgang mit Autorschaft und liess durchblicken, dass man Klee auch einmal inkognito begegnen kann.

Bis: 17.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Taking a Line for a Walk [16.04.14-17.08.14]
Institutionen Zentrum Paul Klee [Bern/Schweiz]
Autor/in Hans Rudolf Reust
Künstler/in Lutz/Guggisberg
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