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Besprechung
7/8.2014


Brita Polzer :  14 Walliser Institutionen gründeten 2007 den Verein Label'Art (La Bell Arte), um gemeinsam besser auftreten und grössere ­Öffentlichkeit gewinnen zu können. Mutig wurde eine Triennale initiiert, die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet - erstmalig mit vier Hauptaustragungsorten.


Wallis : Wallis-Triennale - Viel zu sehen im «isolierten» Kanton


  
links: Fraenzi Neuhaus · Eingenistet, 2014, Glasfaser gebunden, 7x5x4 m, 2014
rechts: Alexandre Joly · Ouranus, 2014, Stoff, Motor, diverse Materialien, 12,75x7,5x1 m. Fotos: Brita Polzer


Einer davon ist Turtmann, ein etwa 1000-Seelen-Dorf, «in dem die Hälfte aller Häuser leer steht», sagt Heinrich Gartentor, Kurator für die Ortschaft samt 2003 aufgegebenem Flughafengelände und ausgedientem Hotel Post, das anlässlich der Triennale entrümpelt wurde. Hier befindet sich auch das Triennale-Zentrum, sämtliche Räume sind mit Installationen gefüllt, die den Charme der heruntergekommenen und auf eine Auferstehung wartenden Architektur bestens ins Spiel bringen. Auch im Dorf sieht man Kunstwerke aus dem Verfall heraus wachsen. Fraenzi Neuhaus (*1957) bspw. lässt ein gelbes Gewächs aus einer alten Scheune schwellen, als sei der Offenbarungsmoment gekommen. Joëlle Allet (*1980) macht einen Flieger 9/11-mässig in ein verbeultes Dach krachen. Gartentor will das Dorf zu neuem Leben erwecken, knüpft an einen historischen Betteltag an, baut abends im Hotel Post jeweils eine Bar für die WM auf und hat eine Bleibe für Schriftsteller/innen eingerichtet.
Versteht Gartentor «Kunst als Katalysator, um die Bevölkerung neu zusammenzubringen», sind die weiteren Triennale-Stationen klassischer auf nur ein Gebäude ausgerichtet, dessen jeweilige (historische) Funktion thematisiert wird. Im ehemaligen, heute von einem Theater genutzten Wasserkraftwerk, der Belle Usine in Fully (Kurator: Raffael Dörig), wird Energie ins Spiel gebracht, bspw. von Alexandre Joly (*1977), der in der Drehbewegung der Turbine einen gigantischen Vorhang kreisen lässt. Der himmelblaue ‹Ouranus› entzückt, sendet aber in seiner massigen und gleichförmigen Rotation zugleich Gefühle des Unbehagens aus.
Drei Hauptaustragungsorte der Triennale sind von früheren Nutzungen zeugende «Monumente». Neben den bereits erwähnten ist es das alte Gefängnis in Sion, wo Helen Hirsch als Kuratorin diverse Positionen präsentiert. Der vierte Ort allerdings steht noch in Saft und Kraft. Auf der gewaltigen Staumauer des Lac de Mauvoisin (Kuratoren: Jean-Paul Felley & Olivier Kaeser) werden grosse Fotografien gezeigt. Allerdings verspürt man hier oben - angesichts umwerfender Urlandschaften - wenig Gelüste, sich auf Bildtafeln einzulassen. Muss Kunst tatsächlich in jede Ecke der Welt vordringen? Insgesamt sind über hundert Künstler/innen an der Triennale beteiligt, die neben den vier genannten Orten eine überraschende Fülle von welschen Kunsträumen integriert - vom ECAV über den Kunstverein Oberwallis bis zum MAXXX - Project Space. Engagierter Projektleiter des Mammutevents ist Marcel Henry.

Bis: 31.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Triennale d'art contemporain 2014 - VS [14.06.14-31.08.14]
Institutionen Musée d'art du Valais [Sion/Schweiz]
Autor/in Brita Polzer
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