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Besprechung
7/8.2014


Gisela Kuoni :  Der Ruf nach Sicherheit, nach «security», ist in unserer Zeit allgegenwärtig. Wie das Künstlerpaar Pascale Wiedemann/Daniel Mettler sich diesen sicheren Raum vorstellt, zeigt es derzeit mit einem gewaltigen Aufmarsch von Tieren und Tiergruppen im Haus für Kunst Uri.


Altdorf : Pascale Wiedemann/Daniel Mettler - Better safe than sorry


  
Künstler · Pascale Wiedemann/Daniel Mettler · better safe than sorry, 2014, Installationsansicht, Haus für Kunst Uri


In ihrer ersten musealen Einzelausstellung verwandeln Wiedemann/Mettler das ganze Haus in eine grosse Arche Noah, ein wirklich sicheres Refugium. Das heisst: Sie machen es ‹better safe than sorry› - so der Ausstellungstitel. Sie meinen es wörtlich, denn es sind wahrlich die Tiere der Arche Noah, in über 160 ausgestopften Exemplaren, die vom Erdgeschoss bis unters Dach das ehemalige Herrenhaus und heutige Museum bevölkern. Der Aufmarsch und die Zusammenstellung der einzelnen Tiergruppen erinnert jedoch nur noch entfernt an das biblische Geschehen. Jede Tiergruppe ist direkt auf den Raum bezogen, korrespondiert mit diesem und lässt unsere Gedanken frei wie den Vogelschwarm, der gerade von draussen hereinzufliegen scheint. Ein weisser Schwan trägt ein goldenes Halsband mit dem Schriftzug «Immun» - ist er gefeit gegen alle Bedrohung von aussen? Die Sicherheit ist aber auch hier eine fragwürdige. Was führt die Gruppe dunkler Tiere zusammen, warum verbinden sich die ausschliesslich weissen Tiere - Eisbär, Schneehase, Schaf, weisse Katze und Hund etc. - zu einer Gruppe?
Das Bild ‹Der Traum› des Innerschweizer Malers Heinrich Danioth (*1896-1953), dem das Museum gewidmet ist, bildet die traumhafte unschuldige Kulisse. Bedrohen die vier Gänse den Fuchs oder ist es umgekehrt? Fühlt man sich in einer Gruppe Gleichartiger sicherer? Vor einer riesigen Spiegelwand tummeln sich braune Tiere und konfrontieren uns zwangsläufig mit diesen fremden Wesen und mit uns selbst. Im nächsten Stockwerk ertönt gelegentlich ein Löwengebrüll, und eine Gruppe Rehe, Sinnbild der gefährdeten Kreatur, zerrt an Hundeleinen und sucht Sicherheit. Im Dachgeschoss schliesslich drehen unter einer Discokugel auf kleinen Drehbühnen Tanzbär, Wolf und Affe ihre qualvollen Runden - geräuschlos.
Die Ausstellung thematisiert Migration, Sicherheit, Exil in begehbaren Bildern, ernsthaft und doch nicht ohne Humor. Dazu liest man den Ratschlag von Niklaus von der Flüe, gestickt als wunderbares Multiple auf einem Lehner Spitzentaschentuch: «Machet den Zun nit zu wiit.» Dies liest sich heute wie eine Mahnung gegen Grossmachtgelüste. Ein passendes Motto für die Schau!

Bis: 24.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Wiedemann/Mettler [14.06.14-24.08.14]
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Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in Wiedemann/Mettler
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=140630123023ZGA-7
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