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Besprechung
7/8.2014


Alice Henkes :  Die Abteikirche in Bellelay feiert in diesem Jahr ihr dreihundertjähriges Jubiläum. Anlass für ein Festprogramm, an dessen Beginn eine faszinierende Auseinandersetzung der Basler Fotokünstlerin Renate Buser mit der Kirche und ihren architektonischen Geheimnissen steht.


Bellelay : Renate Buser - Verirrte Puzzleteile in der Abteikirche


  
Renate Buser · Barock, 2014, 8-teilige Installation, Abteikirche von Bellelay, 317x576 cm


Perfekt in den Raum zwischen zwei Säulen eingepasst, hängt eine grossformatige Fotografie vor einem zugemauerten Fenster. Das Motiv scheint in der oberen Hälfte die Rundung des Fensterrahmens aufzunehmen, erweist sich dann jedoch als stark vergrösserte Detailaufnahme einer Doppelsäule. Eine Fotografie des reich verzierten Gitters, das den Chor vom Kirchenschiff trennt, hängt vor dem Mittelteil des Gitters und bringt die Perspektive für einen kleinen Augenblick zum Tanzen.
Die schmucke Abteikirche von Bellelay, von 1710 bis 1714 vom Vorarlberger Baumeister Franz Beer errichtet, hat im Lauf der Geschichte viele verschiedene Nutzungen erfahren. Seit mehreren Jahren dient sie als Kunstraum. Ausgestellt werden Kunstschaffende, die motiviert sind, sich in ihrer Arbeit mit dem Raum der Kirche auseinanderzusetzen. In diesem Jahr finden anlässlich der Jubiläumsfeier der Abteikirche gleich mehrere Ausstellungen statt. Den Beginn macht die Basler Fotokünstlerin Renate Buser (*1961). Ab Mitte August folgt das jurassische Künstlerduo Charles-François Duplain & Philippe Queloz.
Buser ist in den vergangenen Monaten wiederholt nach Bellelay gefahren, um den Raum in unterschiedlichen Lichtstimmungen zu erkunden. Dabei haben es ihr vor allem die Säulen mit ihren üppig verzierten Kapitellen angetan, die vom Architekten geschickt eingesetzt wurden, um den Raum der Hallenkirche grösser wirken zu lassen. Optische Täuschungen waren im Barock äusserst populär. Buser nimmt mit ihrer Ausstellung ‹Barock› Bezug auf diese Effekte, ohne sie jedoch einfach zu multiplizieren. Sie fotografiert Teile der Architektur, druckt sie, stark vergrössert, auf grossformatige Kunststoffplanen und installiert sie so im Raum, dass sie sich einfügen und gleichzeitig Irritation auslösen. Es sind gleichsam harmonische Störfaktoren, die den Blick anregen und öffnen: «Ich möchte mit meinen Bildern etwas sichtbar machen, was man sehen kann, aber nicht wahrnimmt», sagt die Künstlerin.Dieses Sichtbar-Machen gelingt Buser durch subtile Reduktion. Trotz ihrer Grösse und des ortsfremden Materials wirken die Bilder sehr zurückhaltend. Einige Motive sind schwarz-weiss, andere farbig, stets fügen sie sich nahtlos in den hellen Raum aus Gips und Sandstein - wie Puzzleteile, die sehr wohl ins Bild gehören, sich aber für einen Moment an den falschen Ort verirrt haben.

Bis: 27.07.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Renate Buser [14.06.14-27.07.14]
Institutionen Fondation de l'Abbatiale [Bellelay/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Renate Buser
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