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7/8.2014




Berlin : Berlin Biennale 8


von: Maren Lübbke-Tidow

  
Wolfgang Tillmans, Installationsansicht, 2014, Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Köln; Maureen Paley, London; David Zwirner, New York. Foto: Anders Sune Berg


Die Berlin Biennale ist eine massvoll-zurückhaltende Gruppenausstellung mit Werken schon bekannter Künstler/innen. Den Ehrgeiz, neue Positionen zur Diskussion zu stellen und die Biennale damit zu einem Ort zu stilisieren, der Entdeckungen verspricht, trifft man hier nicht. Richtungen gibt die Ausstellung trotzdem an.
Das massvoll Zurückhaltende ist untypisch für die Berlin Biennale, die sich zum Experimentierfeld des Neuen, zuweilen Unfertigen und Prozessualen entwickelt hatte, und damit immer auch als Gleichnis für die Stadt taugte. Dabei blieb bisher allerdings unbeachtet: Die Kunstszene der Stadt verbindet sich im Kern nicht mit ihrer kulturpolitischen Agenda, will heissen mit dem politisch instrumentalisierten Hype der Kunst. Kurator Juan A. Gaitán hat daher - statt neue Räume zu besetzen und neue Namen zu präsentieren - in den Künstler/innen Verbündete gesucht, welche die nüchterne kulturpolitische Faktenlage analysieren, die bspw. aus den baulichen Massnahmen spricht. Konsequent wurde entschieden: Die Biennale findet in den vorhandenen Museen im alten Westteil der Stadt statt, in Gebäuden, die nicht mehr im Fokus der Berlinreisenden stehen - ihre Zeit ist abgelaufen. Für Gaitán war es Zeit zu schauen, welche Geschichten sie erzählen, und ob sie wirklich ausgedient haben, um dem Mitte-Tourismus zu weichen.
Jenseits der Kunst-Werke Berlin sind so das Museum Dahlem mit seiner ethnologischen Sammlung sowie das Haus am Waldsee Spielstätten - letzteres im wahrsten Sinne des Wortes: In der alten Villa gerinnt bspw. die konzeptuelle Arbeitsweise Christodoulos Panayiotous zur reinen Unterhaltung, zu stark wird sie von den Atmosphären des Gutbürgerlichen überformt, die das Haus durchströmen. Auf ein Ausstellungsdisplay, das die Werke in einen zeitgenössischen Präsentationszusammenhang gebracht hätte, wurde bewusst verzichtet.
Auch im Museum Dahlem: keine architektonische Intervention, keine direkte Konfrontation mit den Sammlungen. Stattdessen gruppieren sich die Werke in den unbespielten Nischen um sie herum. So ist kein Dialog mit den ethnographischen Objekten möglich, auch wenn die Künstler/innen sich mit den Funktionen des Hauses auseinandergesetzt und komplex-eindrückliche, zum Teil verkopfte Arbeiten entwickelt haben. Das ist eine vertane Chance, denn stärkere und temporäre Interventionen hätten eine Richtung weisen können, welche Präsentationsformen zukünftige «Weltkulturenmuseen» entwickeln müssen. Vielleicht ist dies aber auch nicht die Aufgabe von Künstler/innen. Vielleicht ist es für sie attraktiver, gewichtige Arbeiten von bleibendem Wert zu realisieren, die sorgsam verpackt an wieder andere Orte migrieren. Hier wäre der Kurator zu deutlicherer Positionierung aufgerufen. Er triggert jedoch nur an, immerhin.
Eine Ausnahme bildet der Raum von Wolfgang Tillmans im Museum Dahlem, dessen universelle Bildsprache auch hier absolut Sinn macht. Mit einem Turnschuh, den Tillmans als zeitgenössischen Fetisch in einer zurückgelassenen Vitrine lapidar und genau platziert, verlängert sich die jahrtausendealte Zeitachse kulturellen Selbstausdrucks in die Gegenwart. Von solcher Universalität der Bildsprache hätte diese Biennale, gerade weil sie wenig experimentierfreudig ist und bewusst konventionell mit Bildwerken umgeht, mehr vertragen.

Bis: 03.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen 8th Berlin Biennale for Contemporary Art [29.05.14-03.08.14]
Institutionen KW Institute for Contemporary Art [Berlin/Deutschland]
Autor/in Maren Lübbke-Tidow
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