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Hinweis
7/8.2014




Biel : Haus am Gern


von: Alice Henkes

  
Haus am Gern · Know the Knoll, 2014, Foto­grafie, 84x118 cm, aus: Edition Quadratmeter


Wird ein Objekt, das sich in einem Ausstellungsraum befindet, automatisch ein Kunstwerk? Auch wenn es sich um ein zufällig gefundenes Werbeobjekt handelt? Oder um ein Erbstück? Der Diskurs, was Kunst sei, hat sich im 20. Jahrhundert rund um objets trouvés, objektlose Konzepte und Readymades immer wieder neu entzündet. Haus am Gern nimmt den Faden dieser Diskussion mit einer Art Anti-Installation auf. Erstmals arbeiten für diese Präsentation die beiden Ausstellungsbetriebe des Centre PasquArt und des Photoforums zusammen.
Das in Biel lebende Künstler-Duo Barbara Meyer Cesta & Rudolf Steiner (*1959/*1964) bespielt zwei übereinanderliegende Raumfluchten im Altbau mit einer fotografischen Installation, deren zwei Teile sich auf den Raum, die Vita der Künstler als auch wechselseitig aufeinander beziehen. Die Schau unter dem Titel ‹Know the Knoll›, ist eine Retrospektive, ohne eine Retrospektive zu sein, oder wie es Haus am Gern ausdrücken: eine «dekonstruierte Retrospektive». Hinter Absperrkordeln, wie man sie aus Schlössern kennt, steht eine Menge Zeug herum: persönliche Gegenstände der beiden Kunstschaffenden, Fundstücke ohne Bedeutung, Requisiten, die sie in ihren Projekten verwendet haben, aber auch Werke anderer Künstler und Künstlerinnen, unter anderem ein grossformatiges Gemälde von Thomas Huber, das 1999 für das Centre PasquArt entstanden ist. Das Bild trägt den Titel ‹Die Bühne› und kann als programmatisch für die Schau betrachtet werden. Das Gemälde steht schräg im ersten Raum des Parcours. Was hinter dem Bild ist, bleibt, wie bei einer illusionistischen Bühne, verborgen. Wer sich vor dem Bild bewegt, wähnt sich im erweiterten Bühnenraum.
Doch die Bühne, die Haus am Gern aufbauen, ist dunkel oder allenfalls partiell beleuchtet. Es ist eine Kulisse nach dem Spiel. Das Geschehen ist vorbei, der Abbau hat begonnen. In der Unordnung lässt sich Sinn und Bedeutung der einzelnen Objekte nur schwer ausmachen. Vielleicht erkennt man das eine oder andere Objekt aus einer älteren Arbeit des Künstlerpaars. Doch viele Objekte bleiben im Halbdunkel verborgen. Diese Inszenierung geht radikal die Frage an: Was zeigt die Kunst? Wo stehen die Betrachtenden?
Haus am Gern gehen noch weiter. Sie haben die Räume im Kunsthaus durch die Fenster hindurch fotografiert und zeigen die Aufnahmen eine Etage tiefer im Photoforum. Die Bilder stehen jeweils genau unter der Position, an der sie aufgenommen wurden. Und doch sind sie mehr als raffinierte Spiegelungen über Etagen hinweg. Sie sind in einem besonderen Verfahren aus Tausenden von Einzelbildern zusammengesetzt, auf denen jeweils nur einzelne Partien und Objekte scharf zu sehen sind. Der abgebildete Raum verwandelt sich so in eine fotografische Wunderkammer, in der weiche Unschärfen aus der Realität hinausführen.

Bis: 17.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Andreas Eriksson, Haus am Gern, Konrad Smolenski [06.07.14-17.08.14]
Institutionen Kunsthaus Centre d'art Pasquart [Biel/Bienne/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Haus am Gern
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