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7/8.2014




Burgdorf : Zilla Leutenegger


von: Alice Henkes

  
Zilla Leutenegger · At Night, 2009, Video­installation mit Objekt, Holz, Zeichnung, Acryl auf Holz, Projektion, Farbe, Courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zürich


Videoprojektion und Zeichnung gehen im Werk von Zilla Leutenegger (*1968) eine besondere Verbindung ein, die das Flüchtige, das Skizzierende, das Transparente betont, das beiden Techniken innewohnt, so gegensätzlich sie auch sonst sein mögen. Die traditionelle Zeichnung wird durch die Kombination mit Videoelementen bewegt, die Videoprojektionen erhalten durch die Amalgamierung mit Zeichnungen etwas Warmes, Persönliches. So entstehen Arbeiten, die luftig sind und doch geerdet in der Alltagserfahrung der Künstlerin, an die wir leicht anknüpfen können. Leuteneggers Arbeiten wirken sehr zugänglich, ohne eindimensional zu sein. ‹Ring of Fire›, 2012, beispielsweise zeigt die Wandzeichnung eines Tigers und einen brennenden Reifen, der mithilfe einer Videoprojektion animiert wird. Die Szenerie lässt sich leicht dem Zirkus zuordnen und mit kritischen Überlegungen in Verbindung bringen. Was muten Menschen anderen Kreaturen zu? Was fordern sie anderen Menschen, was sich selbst ab?
Die Arbeiten der in Zürich lebenden Künstlerin, zugleich zurückhaltend und verspielt, kreisen um Fragen der menschlichen Selbst-Verwirklichung. Oft taucht die Figur der Künstlerin selbst in den Werken auf, doch dienen diese Selbstbilder keiner Bauchnabelschau. Vielmehr bietet die Künstlerin die eigene Figur als Hülle an, in die man sich hineindenken, hineinprojizieren kann. Dabei lässt Leutenegger dem Publikum der Ausstellung viel interpretatorischen Spielraum. Eine Arbeit wie ‹At Night›, 2009, funktioniert ähnlich wie ein Musikstück, das eine bestimmte Stimmung evoziert und Gedanken in eine gewisse Richtung lenkt, ohne dabei etwas zu erzwingen. Eine freischwingende Treppe ohne Geländer, die an der Wand in die Höhe klettert, deutet einen modernen Wohnraum an. Eine Wandzeichnung zeigt eine junge Frau in einem Designersessel, müde oder nachdenklich, einen ihrer hochhackigen Schuhe hat sie bereits abgestreift. Eine Videoprojektion setzt den Rauch ihrer Zigarette in Bewegung. So reduziert die Arbeit auf der visuellen Ebene ist, so deutlich teilt sich eine ruhige Stimmung mit, die sich nur schwer mit Worten fassen lässt und die zwischen Nachdenklichkeit und Selbstgenügsamkeit changiert.
Auch da, wo sie eindeutig von sich erzählt, erzeugt Leutenegger eine Offenheit, welche die persönliche Erinnerung in ein Überpersönliches überführt. Die beiden Hosenbeine, die sie unter dem Titel ‹9/11 Jeans›, 2013, wie zwei Türme aufstellt, symbolisieren die Jeans, die sie am Tag der Anschläge auf die USA, am 11. September 2001 trug. Die Arbeit kann dazu anregen, die eigene Bekleidung, eigene Handlungsweisen an diesem Tag zu reflektieren und den Umstand, dass auch historische Daten für das Gros der Menschen mit alltäglichen Handlungen angefüllt sind.

Bis: 31.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Zilla Leutenegger [08.03.14-31.08.14]
Institutionen Museum Franz Gertsch [Burgdorf/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Zilla Leutenegger
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