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Hinweis
7/8.2014




Chur : Heiner Kielholz und ‹Leitlinien›


von: Gisela Kuoni

  
links: Heiner Kielholz · Schwalben, 2003, Tempera auf Sperrholzplatte, 40x50 cm, Bündner Kunstmuseum Chur
rechts: Richard Tuttle · Red Spiral Drawing, 1973, Aquarell und Bleistift auf Papier, 35,6x27,9 cm


Das Bündner Kunstmuseum stellt in einer umfassenden Schau den heute im Poschiavo lebenden Aargauer Künstler Heiner Kielholz (*1942) vor. Gleichzeitig und völlig unabhängig davon sind im Untergeschoss der Villa Planta ‹Leitlinien›, zeichnerische Werke aus einer Privatsammlung, zu sehen. Diese spannen mit Beispielen aller gängigen Zeichnungstechniken einen weiten Bogen vom frühen 19. Jahrhundert (Alexandre Calame, Robert Zünd, Arnold Böcklin, Ferdinand Hodler) über ausgesuchte Einzelstücke von Antonio Calderara, Eva Hesse, Dan Flavin bis in die Gegenwart (Agnes Martin, Fred Sandback, James Bishop, Donald Judd, Richard Tuttle). Zwischen den beiden Präsentationen lassen sich erhellende Bezüge und Verwandtschaften entdecken. Und wenn man gerade aus dem Bergell kommt, sieht man in den vollkommen abstrahierten Bergbach- und Wasserfall-Bildern von Kielholz tatsächlich die Essenz solch tobenden Bergwassers. Realität und Abstraktion treffen sich.
Kielholz hat, vielleicht durch sein lebenslanges Reisen und Umherziehen, eine wunderbare Unabhängigkeit erworben, mit der er, losgelöst von jeder Schule, in ganz unterschiedlichen Techniken arbeitet. In stillen sensiblen Aquarellen hält er die bereisten Landschaften fest, lässt Schwalben zum Flug aufbrechen oder Bachstelzen sich in einem Bachbett begegnen. Geometrische, ornamentale Konstruktionen und Ordnungen verraten rechnerische Überlegungen und unterscheiden sich doch grundlegend von den im Untergeschoss gezeigten ­Arbeiten von Agnes Martin oder Sol Lewitt. In den tonigen Farben von Giorgio Morandi entwirft Kielholz kleine poetische Stillleben. Alltagsgegenstände werden bedeutungsvoll, strahlen Ruhe und Ausgewogenheit aus. Verwandt erscheinen dazu die beiden Stillleben von Felix Vallotton von Pfirsich und Quitte.
Die Zeichnungen der exquisiten Sammlung lassen über alle Epochen hinweg untereinander klare Bezüge und eine hohe Sensibilität erkennen. Dem wird in der Hängung Rechnung getragen. Diese setzt die Werke auf fruchtbare Weise in Dialog. Gleiche Technik und gleiches Motiv: Wie unterschiedlich Bonnard, Vallotton, Auberjonois, Vuillard sich dem Motiv «Frauenakt» nähern, ist verblüffend. Bei Kielholz hingegen sind Menschendarstellungen selten. Man entdeckt sie in visionären Bildern, dann wieder realistisch, an Hodler erinnernd, in zwei titellosen kleinen Ölbildern oder in der Figur des ‹Flötenspielers›, der von Kielholz' fernen Reisen zu erzählen scheint.

Bis: 31.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Giro Annen, Heiner Kielholz [07.06.14-31.08.14]
Institutionen Bündner Kunstmuseum [Chur/Schweiz]
Autor/in Gisela Kuoni
Künstler/in Heiner Kielholz
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