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7/8.2014




Rapperswil-Jona : Karim Noureldin


von: Nicola Schröder

  
links: Karim Noureldin · Arka, 2014, Farbstift, Ausstellungsansicht Kunst(Zeug)Haus ©ProLitteris. Foto: Martin Stollenwerk
rechts: Karim Noureldin · Arka, 2014, Farbstift, Work in Progress, Kunst(Zeug)Haus ©ProLitteris. Foto: Martin Stollenwerk


‹Arka› ist ein Kunstname, der schon lautlich die Sperrigkeit des Gebildes erahnen lässt, das sich unlängst auf dem Boden des Kunst(Zeug)Hauses breit gemacht hat. Anders gesagt, Karim Noureldin (*1967, Zürich) hat dem Museumsraum mit ‹Arka› eine Zeichnung auf den Leib geschrieben, die sich in ihrer Ungegenständlichkeit ebenso kontrastierend wie angepasst zeigt. Ausgehend von einer zunächst sehr intuitiv wirkenden Skizze ist ein strukturierter Dialog mit der örtlichen Architektur und deren eindrücklicher Lichtregie entstanden.
Den Übertrag des blitzförmigen Umrisses auf mehrere hundert Quadratmeter Boden hat Noureldin mit Lineal und Farbstift allein in einem Tag vorgenommen. Weitere sechs Tage hat er zusammen mit mehreren Assistenten zum Ausschraffieren der Form auf dem Boden zugebracht. Mit Wasser wurde zuletzt dann jeder individuelle Gestus verwischt. Die so erzeugte Transparenz und Flüchtigkeit ist dabei in Opposition zur Form getreten, die im Zusammenspiel mit der baulichen Umgebung den Eindruck von etwas Permanentem vermittelt.
Dem Bestehenden eine neue Struktur einzupassen, war schon das Ziel der Umformung des alten Zeughauses in das heutige Museum. Massgebliches Gestaltungselement ist seither die lichtdurchlässige Dachlandschaft der Architekten Isa Stürm und Urs Wolf.
Mit der deutlichen optischen Trennung von Dach und Boden ohne die mögliche Einbeziehung der Wände lässt Noureldin dieser Architektur Raum, fordert sie gleichzeitig aber auch heraus. Nicht zuletzt die mehrlagige Binnenstruktur seiner Figur erzeugt ein Spiel aus Vorwärtsbewegung und Zurückweichen. Vorhandene Sichtlinien werden aufgegriffen oder durchkreuzt. Die ganze Angelegenheit scheint wie das markante Dach ein Eigenleben zu führen, das von energiereichen Kontrasten bestimmt ist. Auch die Farben, Blau und Rot, suggerieren Energiebrüche. In Intensität und Wirkung verändern sie sich zusätzlich mit den wechselnden Lichtverhältnissen.
Insgesamt wirkt ‹Arka› wie ein komplexer Streich aus konstruktivistischem Masterplan, minimalistischer Formauffassung und performativem Vorgehen. Noureldin versteht seine Werke auch als Versuchsanordnungen, bei denen er dem Systemgedanken folgend immer wieder gleiche Grundelemente neu kombiniert. Ein zeichnerisches Setting in dieser Grösse ist dabei allerdings auch für ihn neu. Zu erfassen ist es dementsprechend eigentlich nur beim Darüberlaufen.

Bis: 10.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Karim Noureldin [04.06.14-10.08.14]
Institutionen Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Karim Noureldin
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