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7/8.2014




Schaffhausen : Carl Andre-Poems 1958-1969


von: Nicola Schröder

  
links: Carl Andre · lovelovelovelovelovetearstears­tearstearslightlightlightlight, 1963, aus Shape and Structure, Xerox Kopie auf Papier ©ProLitteris
rechts: Carl Andre · Poems 1958-1969, Ausstellungsansicht, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen ©ProLitteris. Foto: Jürg Fausch


Als grösstes Universalmuseum der Schweiz ist das Museum zu Allerheiligen ein Ort der Fülle. Mit einer Ausstellung zu einem der führenden Minimalisten der Gegenwartskunst würde man hier nicht zwangsläufig rechnen. Doch die Arbeiten von Carl Andre (*1935, Quincy, MA) bilden in dieser Umgebung nicht nur einen frischen Kontrapunkt, sondern lassen sich durchaus als Brückenschlag in die Gegenwart sehen. - Dabei stand der Abzug der Hallen für Neue Kunst und der zugehörigen Andre-Werke aus Schaffhausen zu Beginn der Planung noch nicht einmal im Raum!
Lynn Kost, der seit dem vergangenen Jahr neuer Kurator für Gegenwartskunst zu Allerheiligen ist, legt so in Kooperation mit Andre ein treffendes Debüt hin und vermittelt gleichzeitig eine wenig bekannte Seite des Künstlers. Parallel zur grossen Retrospektive der Dia Art Foundation in New York, die sich grossräumig vor allem dem plastischen Werk Andres widmet, trifft man in Schaffhausen auf eine sehr intime Schau. Über 600 Blätter, die in eigens vom Künstler entworfenen Vitrinenreihen ausgelegt sind, demonstrieren seine Auseinandersetzung mit Sprache und Wörtern. Tatsächlich bilden sie neben der skulpturalen Arbeit eine wichtige Konstante seines Schaffens.
Ursprünglich hatte Andre in den Fünfzigerjahren angesichts knapper finanzieller und zeitlicher Mittel zur Schreibmaschine gegriffen. Die entstandenen Gedichte bestehen aus Elementen vorgefundener Texte, Wörtern und Buchstaben, die er nach dem Zufallsprinzip fragmentiert und ungeachtet sprachlicher Gesetze neu, teils zu «Schrift»-Bildern zusammensetzt. Deren Erscheinungsformen liegen zwischen konkreter und visueller Poesie: Zeichen werden auf sich selbst reduziert und sprachliche Elemente zu einem Repertoire, das auch für visuelle Arbeiten herhält. Es sind Zeugen einer fortschreitenden Ablösung der Ausdrucksseite vom Inhalt. Andre behandelt sie wie die Werkstoffe für seine Skulpturen - wie vorgefertigtes Material, das er frei arrangiert. Wo er nicht auch die kleinsten bedeutungstragenden Elemente der Sprache aufbricht, gibt es Verweismomente zu den Quellen und Andres Gedankenwelt. Unter Titeln wie ‹De Kooning, Gorky, Pollack›, ‹The Hanging of John Brown› oder ‹Autobiographies #1-8› vermittelt er etwas über seine Bezugspunkte und die eigene Historie. Bereichert wird dieser intellektuelle Ausblick auf die künstlerisch konstituierenden Jahre durch eine kleine Auswahl von Objekten.

Bis: 17.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Carl Andre [15.05.14-17.08.14]
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Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Carl Andre
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