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7/8.2014




Winterthur : Sandback


von: Yvonne Ziegler

  
Fred Sandback · Ohne Titel, 1974, Farbkreide auf Papier, 47,8x66,6 cm, Courtesy Kunsthaus Zürich, Graphische Sammlung


Eine grosszügige Ausstellung mit Werken des amerikanischen Künstlers Fred Sandback (1943-2003) lässt sichtbar werden, wie sensibel dieser an den Grenzen unseres Wahrnehmungssystems operierte, um ein skulpturales und zeichnerisches Œuvre zu schaffen, das zwischen Raum und Fläche, Volumen und Leere, konkreter Perspektive und gedanklicher Vorstellung liegt. Vier einfache Objekte aus Stahlstäben lehnen an der Wand. Jede schafft durch Umrisslinie und Raumkante das luftige Volumen eines Quaders, den man problemlos betreten könnte, was man sich aber nicht traut, weil das Auge ihn zu einem Körper und damit unzugänglichen Gegenüber ergänzt. Ähnlich vervollständigt es Zeichnungen von perspektivisch dargestellten Galerieräumen, in die Sandback Linien unterschiedlicher Couleur und Anordnung eingezeichnet hat. In autonomen Zeichnungen durchspielt er gedanklich real installierbare Möglichkeiten von gespannten Gummibändern und Fäden. Manchmal gilt es sich vorzustellen, wie man den Raum durch Sandbacks minimale räumliche Setzungen wohl erlebt, dann aber geht es um die Betrachtung einer Anordnung von Fäden im Raum aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Zeichnung wird zum Vorstellungskarussell, der Raum zum beliebig drehbaren Element. Durch Fäden, die ein Viereck begrenzen, das unten leicht nach vorne gezogen vor eine Wand gesetzt ist, bildet sich ein keilförmiger skulpturaler Raum. Das orthogonale Gefüge von Wand, Decke und Boden ist verschoben, was eine veränderte Wahrnehmung der Raumproportionen hervorruft. Bei Sandback erhalten Ecken Tiefe, Acrylfäden erscheinen als weiche Linien, in den Primärfarben unregelmässig bemalte Schnüre eine malerische Anmutung. Von der alles verändernden Linie im Raum gelangt Sandback zu Linien ohne architekturale Koordinaten auf Papier. Sie sind seltsam abstrakt und doch eindeutig gesetzt. Man merkt, dass sie einem System folgen, das man nicht durchblickt. Ende der Achtziger werden Sandbacks Zeichnungen sinnlicher, farbiges Pastell schafft leuchtend pulvrige Wände. Auch greift er seine frühe Beschäftigung mit raummodulierenden Schatten wieder auf: Diesmal als Licht, das durch die Türen des Galerieraums fällt, in greifbarem Grafit ausgeführt. Ganz frei sind schliesslich seine gestisch gesetzten, weissen Schellacklinien auf Mylar-Folie, in denen sich kreuzende Fäden und in Holz gearbeitete Schnitte nachhallen.

Bis: 27.07.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Fred Sandback [10.05.14-27.07.14]
Institutionen Kunstmuseum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Fred Sandback
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