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Hinweis
7/8.2014




Yverdon : Bernard Voïta


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Bernard Voïta · Melencolia VI (Jacques D.), 2013, Digitalbild, gebeamt, Grösse variabel, Courtesy Bob van Orsouw Gallery, Zürich
rechts: Bernard Voïta · Le Jardin d'Omar, 2014, Ausstellungsansicht. Foto: Karine Tissot


Mit Bernard Voïta (*1960, Cully) zeigt die Gründungsdirektorin des Centre d'Art, Karine Tissot, erstmals eine Einzelschau, deren äusserst ephemere Inszenierung schon beim Eintreten als wahrer Wurf verblüfft. So ist das gelbsteinerne Kreuzrippengewölbe des rathäuslichen Kornspeichers, in dem diese neue Kunsthalle seit einem Jahr leibt und lebt, zugleich erstmals in seiner ganzen Pracht zu erfahren. Trotzdem ist sofort auch eine radikale Aufmerksamkeit da für den ‹Garten von Omar›, in den uns Voïta zwischen den Pfeilern einlädt.
Die jüngsten von Dürers ‹Melencolia I› angeregten Fotos Voïtas, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen, sind stets von der Seite auf die Wände gebeamt. Sie werden beim Betrachten deshalb oft vom eigenen Schatten durchkreuzt, was indes bereits auf Voïtas Ideal des Bildes als Maschine des Sehens vorbereitet: Auf den Fotos, die sich wie der berühmte Stich in eine Vielzahl von Räumen öffnen, haben sich Bilder kristallisiert, die Voïta wie gewohnt vor seiner Kamera gebastelt hat. In der extrem alltäglichen Ikonographie hat er dies indes vielleicht noch nie stärker entlarvt: Statt dass man sich in Landschaften, Gebäuden oder Geräten verliert, erkennt man die prismatisch auseinander driftenden Perspektiven sofort als das Resultat von spitzfindig verkeiltem und beleuchtetem Büromaterial, auch wenn es schwierig bleibt, sämtliche Illusionen zu knacken. Die Statik des Krams in diesen selbstbewusst als ‹Melencolia II, III...› bezeichneten Fotos, die wie Organismen im Banne der schwarzen Galle wirken, kontrastiert mit der intellektuellen Hyperaktivität, welche die Kreation und die Rezeption eines solchen Bildes fordern.
Die weiteren Arbeiten, mit denen Voïta gleichermassen flüchtig auftritt, führen uns jedoch aus diesem Schmerzzustand wieder hinaus. Seine Arbeit ist gewiss nicht nur eine Denkfabrik, eher - wie es der Ausstellungstitel ursprünglich versprochen hat - ein Lustgarten, in dem sich Sinnliches und Geistiges heiter verbinden. So hat Voïta in einem Seitenraum zwei Blechleporellos ausgezogen, von denen der eine mit Farbflächen bedruckt ist, der andere mit aufgeblasenen Kleinanzeigen von Parapsychologen - u. a. eines Omars: Die Rückkehr der grossen Liebe wie die Vernichtung der Feinde ebenso garantiert! Voïta will diese also in jeder Hinsicht facettenreichen Skulpturen als Appell an uns verstehen, seine Fotos spielerisch mit den Farben, dem Hell und dem Dunkel unserer eigenen Wirklichkeit zu besetzen. Zum Schluss der Schau sorgen die beiden aufgefalteten Plakate, die volkstümliche bzw. auf die Sexualität anspielende Pflanzennamen versammeln, sogar noch für einige herzhafte Lacher.

Bis: 10.08.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Bernard Voïta [07.06.14-10.08.14]
Institutionen Centre d’art contemporain [Yverdon-les-Bains/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Bernard Voïta
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