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7/8.2014




Zürich : Andrea Bátorfi


von: Dominique von Burg

  
links: Andrea Bátorfi · Unfolding Nr. 58, 2010, 3 D-Lenticular, Lichtbox, Holz und Plexiglas, 90x90 cm
rechts: Andrea Bátorfi · Swiss-Flow-Video-Still, 2013/14


Die Ungarin Andrea Bátorfi (*1967, Buda­pest) ortet in Naturphänomenen geistige Kräfte. Im Prozess des Fotografierens und der anschliessenden Weiterbearbeitung spürt sie diesen nach. Nun zeigt sie bei Annamarie Anderson magisch wirkende Fotosequenzen und eindringliche Videoarbeiten.
Wie kann die geistige Essenz der Welt in der Sprache der visuellen Kunst oder des Films erfasst werden? Bátorfi hat im fotografischen Ablichten von Wasser und Lichtphänomenen eine Antwort gefunden. Seit über zehn Jahren hält sie die sich ständig verändernde, spiegelnde Wasseroberfläche der Donau, Lichtreflexe und Baumstämme oder Laubdetails fest. Die Sequenzen verwandelt sie mittels Mehrfachbelichtungen, Spiegelungen, Schneiden und Umstellungen. Sie lässt sie in transparenten, übereinander gelegten Folien verschmelzen und verleiht ihnen so eine tiefere Dimension. Damit zaubert sie Energiewirbel hervor, die den von Henri Bergson geprägten Begriff «Élan vital» evozieren. Dieser bezeichnet eine schöpferische Entwicklungsenergie, die biologischen Lebensprozessen innewohnt. Die teilweise in Lichtboxen präsentierten Fotoprints wirken wie Botschaften aus einer okkulten Welt. So wähnt man bald ins Innere eines Wasserstrudels, bald einer Kristallgrotte, bald einer an Gaudis Sagrada Familia erinnernden Kathedrale zu blicken. Jedenfalls geht von den Bildern ein geheimnisvolles Licht aus oder ein aus der Tiefe aufkeimendes Glimmen, das die Konturen der symmetrisch angeordneten Kompositionen aufzulösen oder erst zu konstituieren scheint. Bei genauerer Betrachtung treten da und dort Götter- und Buddhafiguren aus den Lichtkaskaden hervor. Sie stehen wohl für Kräfte, die das organische pulsierende Leben jenseits der Hülle von Dingen sichtbar machen.
Seit sich die Künstlerin oft in der Schweiz aufhält, spürt sie mit der Kamera Wasserfällen nach - der Aare in der Aareschlucht, den Reichenbachfällen und dem Rheinfall. Die Bildfolgen offenbaren die Vergänglichkeit der scheinbar stabilen Formen, deren Strukturen dem Zerfall durch die herabstürzenden Wassermassen unabwendbar ausgesetzt sind. Gleichzeitig geht es auch um innere Bilder, um die Darstellung eines alles durchdringenden Lebensstromes. In der Videoarbeit ‹Swiss Flow›, 2014, sieht man in Aufhebung der Schwerkraft den Reichenbachfall in die Höhe schiessen, an den Seiten strömt das wogende Wasser des Rheinfalls in entgegengesetzter Richtung. Dieses supranaturale Phänomen veranschaulicht eine Art Kommunikation der Künstlerin mit geistigen Kräften, mit denen sie sich vor diesen gewaltigen Naturphänomenen verbunden fühlt und die ihr helfen, «sich dem gemeinsamen Urgrund der Seele zu nähern».

Bis: 18.07.2014



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Ausgabe 7/8  2014
Ausstellungen Andrea Bátorfi [20.05.14-18.07.14]
Institutionen Annamarie M. Andersen [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Andrea Bátorfi
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